Realität: Warum sich jeder seine eigene basteln sollte

Es ist so eine Sache mit der Realität. Nicht jeder mag sie, nicht jeder kennt sie, nicht alle bleiben in ihr, nicht jeder akzeptiert sie. Und manchmal trifft sie einen ohne Vorwarnung, mit langem Anlauf oder durch Zufall mit voller Wucht, ohne jede Chance ihr zu entkommen. Grund genug, Realitäten querzudenken!

 

 

Reale Realitäten?

 

In allen Wissenschaften ist es das Dauerthema seit Jahrhunderten: Was ist DIE Realität? Wie nehmen wir sie wahr? Woraus besteht sie? Wie messen wir sie? Haben wir alle dieselbe? Fakt ist: Natürlich gibt es eine Realität für alle, nämlich die faktische Welt bestehend aus Dingen, Natur, Welt, Menschen und dem Universum. Fraglich ist ja nur, wie wir diese Realitäten interpretieren und was wir davon wirklich wahrnehmen können. So nimmt ein blinder Mensch Geräusche wesentlich intensiver und sensibler wahr als ein Nicht-Blinder, im Drogenrausch sind Farben, Gerüche oder Emotionen anders als nüchtern. Manche Menschen sind empathischer, hellseherischer oder feinfühliger, manche nehmen Schmerzen weniger oder gar nicht wahr. Daher ist die Debatte über Realitäten vielmehr eine Frage des Diskurses, eine Frage der Macht über die Interpretation, ein Kampf um Deutungshoheiten, nicht um die „echte“ Realität.

 

Der These, dass sich jeder seine Realität bastelt und es dennoch eine geteilte, gemeinsame Realität gibt, kann daher kaum widersprochen werden. Viel spannender ist aus einer individuellen Sicht die Frage, wie sich jeder Einzelne seine Realitäten bastelt. Was blendet er bewusst aus? Was nimmt er unbewusst wahr? Wie erlebt er die Realität?

 

 

Querdenker Events?


Praxis der Realitäten

 

Wenn man sich fragt, wie sich Menschen ihre Realität bilden, stößt man unweigerlich auf einen Berg an wissenschaftlichen Problemen. Denn nahezu jede Wissenschaft beansprucht für sich das zentrale Argument, wie das Individuum seine eigene Realität bildet. Psychologen gegen Mediziner, Soziologen gegen Ethnologen, Linguisten gegen Philosophen, die Kombinationen sind unendlich. Klar ist: Alle Disziplinen haben vermutlich recht und unrecht.

 

Wichtig zu betonen ist aber: Die Wahrnehmung der Welt und deren Interpretation als Realität ist immer subjektiv, flexibel und eine Kombination aus Wahrnehmung, Emotion, Sozialisation, Physiologie und Tagesform. Daher verbietet es sich, überhaupt von Realität zu reden, da diese immer nur eine individuelle Deutung des Tatsächlichen ist. Die Praxis, also das Fühlen und Verstehen dieser Interpretation ist wiederum ein Prozess des (Unter-)Bewusstseins und für den Menschen kaum erklärbar. Wer weiß schon, warum er die Welt so wahrnimmt, wie er sie wahrnimmt? So banal es daher ist: Realität ist immer nur eine Konstruktion im Geiste und man kann stets nur hoffen, dass man möglichst viele Mitstreiter hat, die die eigene Realität teilen, denn das ist der eigentliche Kitt unserer Gesellschaft.

 

 

Der Querdenker-Kongress


Traurige Realitäten, lustige Helden

 

 

Kriege, Katastrophen, Krankheiten und Kindertode sind in unserer Gesellschaft Realitäten, die wir lieber verdrängen als bewusst erleben, sehen oder akzeptieren wollen. Umso mehr sind Menschen zu bewundern, die ihr Leben diesen Themen gewidmet haben. In unseren letzten beiden Newslettern haben wir sie schon als quer-Vorbilder beschrieben: Den Verein Clowns ohne Grenzen sowie die Stiftung Ambulantes Kinder Hospiz München.

 

Aufgabe des Hospizes ist es, „alle Ungeborenen, Neugeborenen, Kleinkinder, Kinder und Jugendliche, aber auch betroffene junge Erwachsene mit einer lebensbedrohlichen oder lebensverkürzenden Erkrankung, sowie auch schwerstkranke Eltern mit Minderjährigen im Haushalt zu betreuen.“ Von der Diagnose bis zum Tod. Die Realität ist hier der Tod von Kindern, das Begleiten von schwersten Krankheiten und vor allem das Miterleben von unfassbaren Leiden. Vermutlich gibt es wenig Dinge, die auf der Welt schlimmer sind als Miterleben zu müssen, wie kleine Kinder sterben. Menschen, die sich zur Aufgabe machen, solche Familien zu betreuen, sind unserer Meinung nach Helden des Alltags, die nur viel zu selten wirklich gewürdigt werden. https://www.kinderhospiz-muenchen.de/

 

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Dies gilt auch für die Clowns ohne Grenzen. Es bedarf nicht nur viel Idealismus, sondern auch Mut, in Kriegs- und Krisengebiete zu gehen und dort Clownshows zu präsentieren: „Unsere Aufgabe ist es, den Menschen vor Ort mit unseren kostenlosen Shows wieder Lebensmut zu geben. Die wenigen Augenblicke purer Freude und unbeschwerte Heiterkeit während der Besuche wirken noch lange nach – besonders bei Kindern, dem ersten Zielpublikum bei den Reisen. Es sind diese gemeinsam erlebten Momente der Freundschaft, die so viel wert sind. In einem Meer aus oft traumatisierenden und trostlosen Lebensumständen bieten sie eine kleine Rettungsinsel.“

 

Auch hier kann man den Hut nicht tief genug ziehen, um diesem Akt des Humanismus genug Respekt zu zollen. Denn hier begeben sich die Clowns mitunter selbst in Gefahr und müssen eine Unmenge an innerer Kraft aufbringen, um trotz des Leides vor Ort Humor auf die Bühne zu bringen.

 

Bevor Ihr kamt, haben die Kinder Krieg gespielt. Jetzt spielen sie Clown.

Zitat eines Mitarbeiters einer NGO im jordanischen Flüchtlingslager Za´atari.

https://clownsohnegrenzen.org/

 

 

Querdenken für bessere Realitäten

 

Daher rufen wir alle Querdenker auf, diese Organisationen zu unterstützen, sei es durch Spenden, Bekanntmachen oder selbst aktiv werden. Denn Querdenken heißt, die Zukunft nicht nur zu gestalten, sondern vor allem besser zu gestalten. Und was könnte besser sein, als Kindern ein Lachen ins Gesicht zu zaubern?

 

 

Der Song zu verschiedenen Realitäten: Saltatio Mortis – Wo sind die Clowns?

 

 

Verfasser: Dr. Rainer Sontheimer

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Petra Dressel (Freitag, 15 November 2019 11:50)

    Danke für den sehr schön aufgebauten, bewegenden Beitrag und das tolle Video. Der Begriff (Unter-)Bewusstsein existiert jedoch nicht. Er wird in Laienkreisen leider ausdauernd für das Unbewusste verwendet.

  • #2

    Karsten K (Freitag, 15 November 2019 18:08)

    Ja, durchaus ein netter Artikel. Und selbstverständlich ziehe ich den Hut vor all den Engagierten in den verschiedensten Gebieten und für Ihren unermüdlichen Einsatz.
    Nur leider wird der Artikel seinem Titel überhaupt nicht gerecht, oder zumindest dem, was ich mir darunter vorgestellt und erhofft hatte. Warum soll denn nun jeder seine eigene Realität basteln? Und wie machen wir das?

  • #3

    Karin Krieger (Freitag, 15 November 2019 19:59)

    Danke zunächst auf Deinen Hinweis auf "die Clowns dieser Welt" und "Kinderhospiz München". Beide sind, glaube ich, noch nicht wirklich im Bewußtsein der Menge, und das ist schade.
    Danke auch für´s Viedeo, und werde es wohl hier und dort passend teilen.
    Der artikel selbst ist nett.
    Allerdings meine ich, daß es keiner Aufforderung bedarf, sich seine eigene Realität selbst zu basteln. Das tun wir, Du, ich und alle sowieso. Denn wir haben keine andere Möglichkeit in Anbetracht der Arbeitsweise, den Möglichkeiten unseres Gehirns, unserer Wahrnehmung.
    Es wird Dir auch jeder, den Du befragst, erklären, daß er/sie Realist ist, alles "realistisch" sieht. Dies dürfte wohl die Ursache für all den Streit und Hader, auch für Krieg in dieser Welt sein.
    Natürlich können wir anderen gelegentlich auch zugestehen, realistisch zu sein. Aber nur in dem kleinen Teilbereich, in dem es grade eine Meinungsgleichheit, wenigstens starke Meinungs-Ähnlichkeit gibt.
    Ansonsten lebt jeder in seiner Welt. Ob es darüber hinaus eine einzige "tatsächliche" Realität gibt? Nun, auch das kann sich jeder für sich zurechtbasteln.

  • #4

    Michaela Lang (Montag, 18 November 2019 12:13)

    Vielen Dank für den erneut tollen Artikel und damit anzuregen, seine eigene Realität wahrzunehmen und zu hinterfragen. An den Beispielen sieht man sehr gut, dass jeder jeden Tag entscheiden kann, welche Realität er sich basteln will, auch wenn das Gehirn aus "Energiesparmaßnahmen" uns überwiegend versucht zu lenken. Es braucht nur ein bisschen mehr bewusst werden, hinschauen und hinterfragen wollen und dann eventuell entschieden anders zu handeln.