Ethik der Achtsamkeit - Wie Achtsamkeitstraining und Meditation[*1] die Großunternehmen erobern und was dabei falsch läuft

Das Wunder der Achtsamkeit

 

„Schuld“ an dem springflutartigen Ansteigen des Interesses an Achtsamkeitsübungen ist zweifelsohne zu einem Großteil der vietnamesische Zenlehrer und buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh, einer der charismatischsten und einflussreichsten Lehrer des Zen im 20. und beginnenden 21. Jh. In seinem Buch „The Miracle of Mindfulness“ vermittelt er Zen über die bestechend einfache Methode, alltägliche Aktivitäten wie Gehen, Atmen etc. als Gelegenheiten zu betrachten, achtsam zu sein: Wer geht, konzentriere sich auf nichts anderes, als das Gehen selbst, wer atmet auf das Atmen etc. Wird dies über einen längeren Zeitraum eingeübt, lernt es der Geist, sich fest im gegenwärtigen Augenblick zu verankern und so den Einfluss etwa bedrängender Erinnerungen aus der Vergangenheit oder nagender Zukunftsängste zu mildern und schließlich zu brechen. 

 

So weit, so gut. Und wer das Privileg hatte, einmal einen Menschen wie Thich Nhat Hanh oder andere buddhistische Meister hautnah zu erleben, die Präsenz zu spüren, die ihnen ihre tiefe Verwurzelung im gegenwärtigen Augenblick ermöglicht, die Erfahrung zu machen, einmal einen Blick auf sich gerichtet zu spüren, der wirklich und wahrhaftig nur beim Gesprächspartner ist und sich von keinem Gedanken oder sensorischen Input von diesem ablenken lässt, hat möglicherweise Ahnung bekommen, wie ungeheuer effektiv solche scheinbar simplen Methoden sind und wie tief sie in den menschlichen Geist transformieren können.

 

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Ein weiterer entscheidender Schritt hin zu der „meditativen Revolution“, der wir uns in unserer Zeit zumindest prima facie gegenübersehen, war sicherlich die immer stärker vorangetriebene wissenschaftliche Untersuchung der Geisteszustände und körperlichen Effekte, die durch eine meditative Praxis erreicht werden können. In den letzten Jahren hat eine kaum mehr überschaubare Flut von Studien etwa zum Thema der Korrelation von Achtsamkeitsübungen und Gesundheit wohl auch noch die letzten Zweifel ausgeräumt, dass eine regelmäßige Meditationspraxis nicht lediglich ein esoterisches Privathobby eigentümlich aussehender Gestalten mit geschorenen Köpfen ist. Michael Mitschke, der es sich in seinem „Zen Medic“ Programm zur Aufgabe gemacht hat, Meditation als eine aus medizinisch-neurologischer Perspektive hieb- und stichfeste Sache darzustellen, fasst diese Tendenz in einem Artikel folgendermaßen zusammen: 

 

„Forscher haben alleine im Jahr 2017 knapp 1.000 Untersuchungen zu dem Thema Meditation und mehr als 1.500 über Achtsamkeit veröffentlicht. Die untere Abbildung zeigt, dass über die Jahre das wissenschaftliche Interesse an einer akademischen Beleuchtung der Themen Meditation (blaue Balken) und Achtsamkeit (graue Balken) stark zugenommen hat.“ [*2]

 

 

Richtig eingesetzt handelt es sich bei Meditation um ein "mächtiges Tool", das zu barem Geld gemacht werden kann: So bestätigte der Chief Mindfulness Officer des Technologiekonzerns SAP die Frage eines Gesprächspartners, ob sich im Hinblick auf die firmeninternen Achtsamkeitrainings von 200% Return on Invest sprechen ließe, lakonisch mit dem Satz: "Genau, und das ist sehr konservativ gerechnet." [*3]

 

 

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Talking ´bout a revolution?

 

Stimmen wie die von Borstelmann sind heute keine Seltenheit mehr; die „corporate success story“ der Achtsamkeit beginnt im Silicon Valley mit dem „Search Inside Yourself“ Programm von keiner geringeren Firma als Google selbst. Besagtes Programm kann heute de facto global von jedem Interessierten über das Search Inside Yourself Leadership Institute gebucht werden und dürfte damit ein Vorreiter für eine ähnlich flächendeckende Entwicklung sein, wie wir sie etwa seit Ende der 70er Jahre mit dem Thema Ökologie erlebt haben. 

 

Welches Unternehmen kann es sich leisten, seine Mitarbeiter nicht in den Genuss von Achtsamkeitstrainings kommen zu lassen, wenn die Zahlen (insbesondere beim Absinken der Fehlzeiten und bei der Steigerung des Employee Engagements) eine derartig eindeutige Sprache sprechen? Eine globale Präsenz von Achtsamkeitpraxis in Großunternehmen scheint also nur noch eine Frage der Zeit zu sein; „oh brave new world“, der wir uns da gegenübersehen, wenn dies alles dereinst Wirklichkeit wird. 

 

Und Wirklichkeit wird es werden, so möchte man meinen, wenn alles, was sowohl den Einzelnen als auch die Führungsebene von Firmen noch vom Aufnehmen bzw. flächendeckenden Implementieren einer regelmäßigen Achtsamkeitspraxis abhält, ein simples Kosten-Nutzen-Rechenexempel und das Sich-Vergegenwärtigen zahlreicher gesundheitlicher Vorzüge ist. 

 

 

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Schluss mit der Kuschel-Rethorik!

 

Und genau hier, will mir scheinen, ist etwas faul im Staate unserer neuen, achtsamen Mega-Corporations. Vor einigen Monaten saß ich bei einem Vortrag eines der global players der „Corporate Mindfulness“ im Publikum und lauschte fasziniert seinen Empfehlungen, wie man in Firmen, in denen Achtsamkeitstraining noch nicht zur Corporate Culture gehört, dieses der Führungsebene schmackhaft macht. Es lief meiner Wahrnehmung nach darauf hinaus, dass man den Powers That Be nur die oben erwähnten neurologischen und medizinischen Fakten zu präsentieren, das Ganze mit dem ökonomischen Nutzen der Achtsamkeit für die Firma zu würzen und alle irgendwie gearteten religiösen oder sonstwie anstößigen Begrifflichkeiten aus seinem Sales Pitch zu entfernen habe - und voilà - ein weiterer CEO sei für die Sache gewonnen. 

 

Zumindest Letzteres mag faktisch richtig sein. Doch an dieser Stelle beginnt mein „Beef“ mit dieser allzu klinisch-keimfreien Welt der „Corporate Mindfulness“. Ich fordere jeden Leser, der sich ernsthaft mit dieser Materie auseinanderzusetzen wünscht, dazu auf, einige Zen-Geschichten zu lesen (um nur eine von vielen buddhistischen Strömungen herauszugreifen, die Beispiele ließen sich häufen), um sich ein Bild davon zu machen, wie wenig die Tradition, aus der die nun in die Wirtschaft Einzug haltenden Techniken stammen, dem Bild entspricht, das hier für die Entscheider gezeichnet wird. Der Leser wird schockiert sein, mit welcher Radikalität, Brutalität und Klarheit sich die Wirklichkeit des lebendigen Zen in diesen Geschichten präsentiert. Um nur ein Beispiel herauszugreifen: Als der spätere zweite Patriarch Chinas, Huike, zu Bodhidharma, dem ersten Patriarchen, kam, um dessen Schüler zu werden, ignorierte dieser seine Bitten um Schülerschaft so lange, bis sich Huike die eigene Hand abgeschnitten und Bodhidharma vor die Füße geworfen hatte. Erst in dieser Geste (an)erkannte der Lehrer die Hingabe des Bittstellers an den Weg und seine unbedingte Bereitschaft, radikale Nicht-Anhaftung zu üben und machte ihn zu seinem Schüler.

 

Hat bereits der interreligiöse Dialog (insbes. in Form der Versuche der katholischen Kirche, Zen außerhalb des buddhistischen Kontextes als meditative Methode für Christen fruchtbar zu machen[*4]) die Frage aufgeworfen, inwieweit es möglich und sinnvoll ist, spezifischen spirituellen Traditionen entstammende Methoden der Kontemplation aus diesen herauszulösen und in anderen Kontexten anzuwenden (man stelle sich etwa die ignatianischen Exerzitien oder das Stundengebet außerhalb des Christentums vor), so stellt sich diese Frage verschärft im Kontext der „Corporate Mindfulness“: Denn hier wird, so will mir scheinen, so getan, als handle es sich bei Meditation lediglich um ein bequemes Werkzeug von vielen, um die Mitarbeiter ein wenig gesünder, zufriedener und effektiver zu machen. Doch diese Art von Rhetorik verkennt das Wesen von Meditation zutiefst und nur Unwissenheit kann es entschuldigen, dass die weitere Dimension des meditativen Weges im Business Kontext unerwähnt bleibt. (Die zweite Möglichkeit, dass den Teilnehmern von Meditationsprogrammen im Firmenkontext diese andere Dimension bewusst verschwiegen wird, ist zu düster, als dass ich sie hier ernsthaft in Erwägung ziehen möchte).

 

Was ich hier mit der anderen Dimension der Meditation meine, ist die Tatsache, dass diese in erster Linie ein Werkzeug ist, den Menschen zu seiner wahren Natur erwachen zu lassen, die, um es mit buddhistischer Terminologie zu beschreiben, wesenhaft leer ist. Wer sich auf den Weg der Meditation einlässt, ist früher oder später gezwungen, sich sämtlichen Ängsten, Verhaftungen, Blockaden etc. zu stellen, die vom Realisieren dieses seines wahren Wesens abhalten und sich der eigenen Endlichkeit zu stellen, Tag für Tag der Tatsache in die Augen zu sehen, dass der, der wir zu sein meinen, nichts anderes ist als eine Illusion. Dies ist ein langer, schmerzhafter und gefahrvoller Prozess, der den, der ihn ernsthaft beschreitet manches Mal an den Rand seiner Belastungsfähigkeit und darüber hinaus führen mag; tatsächlich wage ich die These, dass es keinen heroischeren Akt für den Menschen geben kann, als sich auf diesen Weg einzulassen. Es geschieht keineswegs grundlos, dass Bodhidharma Huike bis zur Aufgabe seiner körperlichen Unversehrtheit prüft, bevor er ihn als Schüler annimmt: Denn der sog. „große Zweifel“ ist eine unabdingbare Vorstufe der Erleuchtung. Nur dem, der sich im großen Zweifel alles ganz und gar hat wegnehmen lassen, kann es beschieden sein, in der Erleuchtungserfahrung sein wahres Selbst geschenkt zu bekommen. Nicht umsonst heißt es im Sufismus, niemand würde sich auf den Weg machen, wenn er wüsste, was seiner dort harrt. Meinen imaginären Dialog mit den Vertretern der „Corporate Mindfulness“ könnte ich daher an dieser Stelle mit dem von Luke Skywalker mit Yoda zusammenfassen. Luke: „I am not afraid!“ Yoda: „You will be. You will be.“

 

All das klingt wahrscheinlich wesentlich weniger sexy, wenn man es einem CEO erzählt, als der Sales Pitch, der oben präsentiert wurde. Doch an diesen letzten Perspektiven führt kein Weg vorbei; das „Tückische“ an der Meditation ist nämlich unter anderem, dass sie die Tendenz hat, eine Eigendynamik zu entfalten, die das Leben des Praktizierenden von Grund auf auf den Kopf stellen kann, ohne dass dieser diesem Prozess gegenüber noch groß eine Wahl hätte. Insofern ist es um so wichtiger, sich von Anfang an klar zu machen, dass eine Reise, die auf den beschaulichen Pfaden des Auenlandes anfängt, durchaus zu einem Berg führen kann, in dem ein Drache haust… Die buddhistische Tradition hat um diese Risiken und Gefahren des meditativen Weges stets gewusst und deshalb immense Umsicht dabei walten lassen, wenn es darum ging, Menschen auszuwählen, die andere in ihrer Praxis anleiten sollten. Lange Jahre intensivsten, meditativen Trainings und eine asketische Lebensweise, die den meisten Menschen unserer Zeit wohl als extremer Rigorismus vorkäme, waren (und sind) in der Tradition, der ich mich zugehörig fühle, die Esse, in der glaubwürdige Meditationslehrer geschmiedet werden. Vergleicht man diesen Ansatz mit Programmen wie bspw. Search Inside Yourself kann man nur verwundert den Kopf schütteln: Offenbar wird ein berufsbegleitender Ausbildungsprozess von nicht einmal einem Jahr dort für ausreichend gehalten, um Menschen dazu zu befähigen, andere auf diesem äußerst riskanten und gefahrvollen Weg anzuleiten. 

 

Man mag mir einwenden, dass die Programme der „Corporate Mindfulness“ ja gar nicht dazu gedacht sind, Menschen zur Erleuchtung zu führen, sondern lediglich dazu, ihnen Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, mit denen sie es in ihrem Alltag als Töpfer, Bildhauer oder Schmied etwas leichter haben. Ihnen wäre mit dem Zen-Meister Leonidas Folgendes entgegenzuhalten: 

 

Gemeint ist, dass Meditation nichts ist, was sich vom Rest des Lebens isolieren lässt, wie etwa Skifahren oder das Besuchen von Bildergalerien: Wer das Werkzeug der Meditation einmal mit fester Hand ergriffen hat, muss damit rechnen, auch seinerseits ergriffen zu werden, fortgerissen von allem, was ihm lieb und teuer war und der Ausgang dieses Abenteuers ist ungewiss. Der Lehrer muss daher in der Lage sein, den Schüler den GESAMTEN Weg über zu begleiten, muss ihn selbst ganz beschritten haben, bevor er die Verantwortung schultern kann, andere zu führen, aus dem einfachen Grund, dass er nicht wissen kann, wie schnell der Schüler von seiner Praxis in den „wild Abyss / The womb of Nature, and perhaps her grave--/ Of neither sea, nor shore, nor air, nor fire“ getragen wird.

 

Allen, die damit liebäugeln, eine meditative Praxis in ihr Leben zu integrieren, seien diese Überlegungen gleichzeitig warnend (und lockend) ans Herz gelegt. Doch noch viel eindringlicher seien die Vertreter der „Corporate Mindfulness“ beschworen, es sich mit dem Anpreisen der Meditation an Führungsstellen und dem Führen von Menschen auf dem meditativen Weg nicht zu leicht zu machen. Doch dieser Text ist keineswegs nur als (reine) Polemik gedacht: Mir ist bewusst, dass ich mich rechtfertigungsmäßig als Mitarbeiter einer Firma, deren CEO selbst ein wackerer Zen-Mann ist, auf einer Insel der Seligen befinde, die es so in dieser Form nicht oft geben wird. Die Nöte jener, die in bester Absicht meditative Methoden in ihre Firmen zu integrieren wünschen und dabei gezwungen sind, gegen die Windmühlen einer „Kultur“ reiner Machbarkeit und Gewinnmaximierung zu kämpfen, sind mir durchaus gegenwärtig; an solchen Orten ist  der Wunsch nach einem Leitfaden, wie sich derlei Hürden überwinden lassen, nur allzu verständlich und auch berechtigt. Wünschenswert wäre in meinen Augen ein Dialog über die Frage, wie man dieses völlig legitime Ansinnen weiterverfolgen kann, ohne sich einer Rhetorik bedienen zu müssen, die dem Wesen von Meditation oft nur sehr unzureichend gerecht wird und sowohl die Entscheider auf Firmenebene als auch die Mitarbeiter im Unklaren darüber lässt, worauf sie sich einzulassen im Begriff sind. 


[*1] „Meditation“ wird hier nicht wie es der lateinische Wortursprung „meditari“ („über einen geistigen Gehalt nachdenken, einen geistigen Gehalt meditieren“) erwarten lassen würde als Nachdenken oder Betrachten eines bestimmten mentalen Inhalts verstanden, sondern als das Bemühen, zunächst über die Fokussierung insbes. auf den Atem zu einem Zustand geistiger Sammlung zu erreichen, der es dem Übenden ermöglicht, den Fluss der eigenen Gedanken mehr und mehr zur Ruhe kommen zu lassen und schließlich zum Verlöschen zu bringen, um so sein wahres Wesen, die Leere, zu realisieren. Unter Menschen, die sich intensiver mit diesem Thema beschäftigen, ist es daher im Westen üblich geworden, in Bezug auf diese Methode von „Kontemplation“ zu sprechen. Für die Zwecke dieses Artikels ist es jedoch dienlicher, bei der im Mainstream eingebürgerten Terminologie zu bleiben.

 

[*2] Michael Mitschke - Achtsamer im Krankenhausalltag?!

 

[*3] SAP | Peter Bostelmann

 

[*4] Vgl. etwa die Dokumentation „Ai Un“ über den Jesuiten Hugo Lassalle, den ersten christlichen 4 Zen-Lehrer Ai-un: Hugo Makibi Enomiya-Lassalle. Bridge Builder between Zen and Christianity (2016)

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Verfasser: Maximilian Knauer

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Josef Fesel (Samstag, 05 Oktober 2019 08:58)

    Vielen Dank für diesen umsichtigen Beitrag - ich hatte den weit verbreiteten Artikel von Bostelmann auch gelesen und mich hat auch das Gefühl beschlichen, dass da etwas faul ist im Staate Achtsamkeit. Wenn die Essenz des Lebens nicht mehr die Essenz des Lebens ehren soll, sondern den Kapitalismus zu noch größerer Blüte treiben, dann kann ich nur mehr hoffen, dass sich die unerwünschten Nebenwirkungen des Turbopräparates einstellen mögen :-).

  • #2

    Jürgen Bolz (Freitag, 01 November 2019 16:41)

    Ich freue mich über die Beleuchtung dieses selten aufgezeigten Aspektes der Achtsamkeits-welle.
    Im Shan Shaolin Si Training vor 30Jahren erstaunte mich die Aussage unseres "Sifu" (=Trainer & Lehrer), das das körperlich an die Grenzen reichende Training maßgeblich dazu dient, die "inneren Dämonen" in der Meditation gut verwurzelt meistern zu können. Insofern stimme ich zu, daß eine verantwortungsvolle Begleitung auf dem Mediationsweg mehr Zeit und Umfang als eine berufsbegleitende Jahresausbildung braucht.
    Noch wichtiger empfinde ich jedoch die Qualität eines Lehrers/Trainers, inwieweit er in seiner Mitte ruht, präsent ist und auch dann noch den Raum halten kann, wenn es in die Tiefen von Traumata, Trauer, Verzweiflung, Desorientierung etc. geht, - die im Prozess der Meditation oder auch schon Achtsamkeitsübungen auftauchen können.

    VIEL WICHTIGER jedoch empfinde ich die Möglichkeiten von Achstamkeit/Mediation jenseits Leistungsoptimierung durch ihre "Nebenwirkungen": Ich glaube daran, daß die Erweiterung der Aufmerksamkeit, eine verbesserte Selbst- und Fremdwahrnehmung neben den eigen-gesundheitlichen Verbesserungen auch Öffnung für gute Lösungen und neue Ideen bedeutet.
    Kritisch betrachtet, freut das erstmal hauptsächlich den Unternehmens-eignern, weil mehr Umsatz generiert wird.
    Allerdings bringen meditative Praktiken auch neue Kreise in Bewegung:
    Mehr Achtsamkeit für mich selbst = mehr Achtsamkeit für andere = mehr Achtsamkeit für alles Leben (Gesellschaft, alle Menschen, Natur. ...). Das ist grob vereinfacht, entspricht aber der Tendenz: Je mehr ich mich selbst achte & liebe, desto mehr weitet sich meine Achtung und Liebe für Andere und die Welt aus.
    Und Lieben bedeutet auch: sich kümmern aus innerem Bedürfnis, - geben aus dem selber erfüllt sein.

    Und hier hoffe und setze ich auch in meiner Arbeit an:
    Menschen, die sich der Erweiterung ihres Bewusstseins durch meditative Praktiken widmen, verordnet oder höchst eigenmotiviert, werden empfänglicher und offener für Lösungen, die letztendlich auch den großen Herausforderungen (Klima, Frieden, Gerechtigkeit) und damit der Zukunftsfähigkeit allen Lebens dienen.
    Und noch mehr: Achstsamkeitspraktiken erweitern nach meiner Erfahrung auch das Entwickeln von menschlich basiertem Bewusstseins_Hi_Tec: Die Fähigkeit, seine Gedanken, Gefühle und Neurologie so zu steuern, das ein erweiterter Raum das Einfallen von innovativen Ideen und Lösungen erleichtert.
    Wenn dies dann noch mit einer Gruppe synchronisiert wird, vervielfachen sich die Möglichkeiten für außergewöhnliche Ergebnisse.

    Darauf setze ich.
    Ich hoffe, daß immer mehr Achtsamkeits- und Meditations-Anbieter und Trainer dies im Hinterkopf haben, wenn sie Entscheider zunächst mit den Effizienz-Argumenten (glückliche & gesunde Kühe geben mehr Milch) locken.

    Und je mehr sie bei sich in meditativer Praxis zur "Quelle" gelangt sind, desto eher wird der tiefere Hintergrund - verbunden Sein mit allem / der Welt dienen / erleuchtet & frei Sein von "Begierden" - durchscheinen; und neugierig machen.

    inspiritus sanctus
    JB