Richtung Kultur: Technik als kulturelles Gut

Ein Gedankenspiel zu Beginn

 

Stellen Sie sich folgende Bilder vor:

  • Windkraftanlagen, die bunt und fröhlich bemalt sind.
  • Öffentliche Gebäude, Bahnhöfe, Flughäfen, Brücken oder Straßen, die zumindest originelle Namen bekommen (Bud-Spencer-Freibad) oder von Künstlern mitgestaltet werden, wie man es bei Fußballstadien, Philharmonien oder Theaterhäusern schon immer gemacht hat.
  • Züge, Trambahnen, Mähroboter oder andere Techniken, die ähnlich wie Wall-E aus dem Kinofilm menschliche Gesichter oder Smileys haben.

 

Und? Geben Sie es zu: Sie müssen lächeln, wenn Sie an solch technische Kulturgüter denken! Unsere These diese Woche: Nur wenn wir Technik auch als Kulturgut verstehen, kann die Akzeptanz in einer Gesellschaft bei der Umsetzung erhöht werden.

 

 

Querdenker Events?


Warum Technik Kultur ist

 

Eines unserer Querdenker-Mottos ist: „Wer vorwärts kommen will, muss auch mal zurück blicken.“ Betrachtet man technische Produkte aus der Vergangenheit, stellt man fest: Viele wurden erst durch ihre Funktionslosikgkeit zum Kulturprodukt (bspw. gelbe Telefonzellen), andere aufgrund ihrer Ästhetik oder Optik unabhängig davon, ob sie noch funktionieren (bspw. Oldtimer). Überall finden wir daher Museen, in denen Technik nicht nur aufgrund ihrer technischen Funktionen ausgestellt wird, sondern weil sie dadurch auch einen kulturellen Wert bekommt.

 

Die Frage, ab wann eine Technik als Kulturgut definiert werden kann, hängt maßgeblich von der Einstellung einer Gesellschaft zu Innovation, Fortschritt und Technikaffinität ab. Denn die Akzeptanz eines Produkts als Kulturgut impliziert, dass Werte wie Ästhetik, Stil oder Kunst auch bei der Technik als Bewertungskriterien fungieren dürfen. Wie stark diese Bewertungen realisiert werden, hängt von der Historie und Politik des Landes, der Arten der Technik, dem Nutzen sowie der emotionalen Zuneigung zu den Produkten ab. Das Beispiel „Waffen“ verdeutlich dies: Während Waffen die kulturelle Identität in Deutschland nicht ansatzweise prägen, sind sie in USA Teil des Alltags und sogar durch die Verfassung geschützt. Überspitzt formuliert: Die meisten Dinge, die wir als Kulturgüter bezeichnen, waren oder sind eigentlich ein technisches Produkt, wenn man von speziellen Verhaltensweisen wie Kommunikationskulturen, Bildern und Musik absieht. Gehen Sie in Museen: Welche Objekte werden dort als kulturelle Zeugnisse präsentiert? Möbel, Handwerksgeräte, Maschinen, Architektur, Werkzeug, Alltagsutensilien aus vergangenen Zeiten, kurzum: technische Gegenstände.

 

Heute zählen auch digitale Entwicklungen zur kulturellen Identität: Ob E-Sport, Silicon Valley, Apple oder Social Media, allesamt prägen unsere Kultur(en) maßgeblich, sind Kult oder Kulturgüter.

 

 

Der Querdenker-Kongress


Mobilität als kulturelle Beschreibung der Deutschen

 

Der wirtschaftliche Aufstieg Deutschlands nach 1945 ist direkt verbunden mit dem Aufstieg der Automobilbranche. Der VW Käfer fungiert bis heute als Symbol, wie das Auto nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Kultur des Landes nachhaltig geprägt hat.

 

Unsere Autos werden weltweit nicht nur wegen ihrer technischen Innovationen geschätzt, sondern auch wegen ihrer kulturellen Bedeutung für die Menschen. Wichtig ist nicht nur die Funktion der Fortbewegung, sondern vor allem die individuellen Zuschreibungen: Freiheit, Reisen, Status, Besitztum, Spaß, Grenzenlosigkeit, Sehnsucht, Erlebnis, Schönheit, Ästhetik, Stil, Eleganz.

 

 

Mobilität als Kulturgut

 

Die Diskussionen, wie neue und klimafreundliche Mobilitäts- oder auch Energiekonzepte in der Gesellschaft mehr Akzeptanz finden könnten, kranken nun genau daran, dass diese kulturelle Komponente meist vernachlässigt oder gar nicht gesehen wird. Aufgrund der reinen Fokussierung auf Funktion und Klimafreundlichkeit wird ignoriert, dass mit einer künstlerischen oder ästhetischen Gestaltung eine wesentlich höhere emotionale Bindung zwischen Bürger und Technik hergestellt werden kann. Entscheidend ist die kulturelle Geschichte, das Storytelling, mit dem eine Identifikation hergestellt werden kann.

 

 

 

 

Das Beispiel Japan zeigt dies in beeindruckender Weise: Der Shinkansen-Zug (siehe Bild) ist nicht unbedingt künstlerisch wertvoll (individuelle Bewertung und subjektiver Eindruck des Verfassers), aber eines der Vorzeige-Produkte der japanischen Kultur und technischer Innovationen. Man ist stolz auf diesen Zug und eine Fahrt im Shinkansen ist für Touristen ein Muss, da dort Technik und Kultur nicht nur verbunden sind, sondern zugleich noch Bühne für viele andere japanische Kulturen sind (bspw. Esskultur).

 

Es ist ein Jammer, dass in Frankreich der TGV, in Japan der Shinkansen oder in China der Hyperloop nicht nur technische Highlights der Länder sind, sondern so auch die Kultur prägen, während wir über unseren ICE oder den BER-Flughafen nur spotten oder mitleidig lächeln.

 

 

Querdenker-Partner


Von der Funktion zur Kunst

 

Die Geschichte hat gezeigt: Die Verweigerung von Fortschritt und die Ablehnung neuer Technologien entstand nicht nur aus Angst und Unwissenheit vor den Risiken, sondern auch aus mangelnder Aufklärung über den kulturellen Wert.

 

Aufgabe der Politik und Wirtschaft sollte sein, die Bürger nicht nur mit rationalen Argumenten von neuen technischen Innovationen zu überzeugen, sondern sie emotional über die kulturelle Komponente dafür zu begeistern.

 

 

Der Song zum Blog

 

Flughäfen als Orte der Begegnung: Kettcar – Ankunftshalle

Querdenker Medienpartner


 

 

 

Verfasser: Dr. Rainer Sontheimer

 

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