Technik als Technik gegen das Nicht-Wissen

Der Technikbegriff ist zunächst eines: strapaziert, beliebig und schwammig. Eines ist aber seit Existenz des Begriffes gleich geblieben: Technik ist immer auch eine Methode, Nicht-Wissen in Wissen zu transformieren. Das machen wir heute auch in unserem Blog! Denn auch der ist eine Technik, Ihr Nicht-Wissen zu reduzieren!

 

Technik als Technik

 

Ein kurzer Blick auf Wikipedia zum Begriff Technik zeigt: Technik sind erstens die "praktischen Künste" (die artes mechanicae, die im Mittelalter dem unmittelbaren Broterwerb dienten wie bspw. die agricultura, die Landwirtschaft). Zweitens die "Gesamtheit der menschengemachten Gegenstände" wie Maschinen, Geräte etc., drittens "ein besonderes Können oder eine spezielle Fertigkeit" wie Kopfrechnen, Malen, Rhetorik, Geschicklichkeit etc., viertens eine "Form des Handelns in beliebigen Bereichen menschlicher Tätigkeit" wie bspw. Rationalität oder Abstraktion sowie fünftens das "Prinzip der menschlichen Weltbemächtigung", was auch immer diese Formulierung konkret bedeuten mag.

 

Deutlich wird in dieser Definition: Ein Gegenstand wie ein Auto, ein Hammer oder ein Smartphone kann zum einen unter dem Begriff der Technik subsumiert werden, zugleich können diese Techniken aber auch als Technik im Sinne einer Fertigkeit, eines Könnens interpretiert werden, mit dem ein Problem gelöst wird. Ein Auto wird so zu einer Technik bzw. einer Methode, mit der man weite Entfernungen überbrücken kann. Etwas abstrahiert folgt daraus: Eine Technik im Verständnis als Fertigkeit oder Können ist eine Methode, um ein Problem zu lösen oder: um Nicht-Wissen zu reduzieren. Die Technik als menschengemachter Gegenstand kann daher ebenfalls als Methode beschrieben werden, mit der Nicht-Wissen zu Wissen transformiert werden soll.

 

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Nicht-Wissen in der Wissensgesellschaft

 

So gerne wir heute ja von einer Wissensgesellschaft sprechen, so klar ist auch: eigentlich sind wir eine Nicht-Wissensgesellschaft. Denn das Nicht-Wissen leitet unser Leben, die Politik, die Forschung und die Gesellschaft. Ganze Berufszweige wie Versicherungen begründen sich auf Nicht-Wissen. Die Ratgeber-und Coaching-Welt boomt, weil wir einfach zu wenig, das Falsche oder nix wissen!

 

Gerade bei technischen Entwicklungen gibt es das Problem, dass man nicht weiß, welche Folgen damit einhergehen. Nach Jahrzehnten des optimistischen "immer weiter" werden die Euphorie des technischen Fortschritts und das Vertrauen in die (wissenschaftliche) Vernunft, die alles erklären und berechnen kann, selbst zum Produzenten des Nicht-Wissens. Der Wissensfortschritt gelangt durch die kaum vorhersagbaren Risiken an seine Grenzen, wodurch auch die Annahme, dass das Nicht-Wissen durch den Fortschritt irgendwann dem Wissen weicht, ad acta gelegt werden muss. Zusätzlich vermehrt wird das Nicht-Wissen durch die Pluralisierung von Experten, denn je mehr Nicht-Wissen es gibt, umso mehr scheinbare Experten gibt es dazu. Die digitale Welt befördert diese Expertenpluralisierung weiter und offeriert zwar auch ein Mehr an Wissen, vor allem im Bereich des faktischen Wissens, steigert damit aber auch wieder die Unsicherheit in der Bewertung dieses Wissens. Dadurch sinkt das Vertrauen in die Experten, da unklar wird, welchem Experten oder welchem Wissen vertraut werden kann, und es eröffnet sich ein Mehr an Nicht-Wissen gegenüber den Experten.

 

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Bereits 1986 begann diese Debatte mit der Risikogesellschaft von Ulrich Beck und der Thematisierung des Nicht-Wissens in Bezug auf die ökologische Kommunikation bei Niklas Luhmann. Beck führte das Nicht-Wissen 1996 in der Streitschrift Reflexive Moderne mit Anthony Giddens und Scott Lash letztlich als Hauptmerkmal des Modernisierungsprozesses an. In der jüngsten Vergangenheit war es vor allem Peter Wehling, der eine gesamte Theorie des Nicht-Wissens entwarf. Er unterteilt das Nicht-Wissen in sieben verschiedene Kategorien:

  • Wissen des Nichtwissens
  • Gewusstes Nichtwissen
  • Nicht-gewusstes Nichtwissen
  • Gewolltes Nichtwissen
  • Unbeabsichtigtes Nichtwissen
  • Temporäres Nichtwissen
  • Unauflösbares Nichtwissen 

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Technik gegen das Nicht-Wissen

 

Natürlich können wir heute und an dieser Stelle keineswegs die Frage beantworten, ob unsere technischen Errungenschaften je das Nicht-Wissen komplett eliminieren können. Wir vermuten mal kühn, dass keine natürliche oder künstliche Intelligenz je alles wissen kann. Ebenso wird die Antwort auf alle Fragen nicht 42 sein, Grüße an die Anhalter in der Galaxis.

 

Insbesondere in der Medizin bleibt aber zu hoffen, dass viele Krankheiten irgendwann mit Hilfe von Nano-, Neuro-, Röntgen- oder anderen Techniken entschlüsselt und geheilt werden können. Auch im Bereich des Umweltschutzes kann jeder technische Fortschritt zur Rettung von Tier, Klima und Mensch nur begrüßt werden. Klar ist aber auch: Wir müssen uns mit unserem eigenen Nicht-Wissen permanent arrangieren und es vor allem akzeptieren. Denn bei allen technischen Möglichkeiten bleibt immer ein Bereich, der unkontrollierbar, unberechenbar und unge- und unbewusst ist! Vielleicht ist genau dieser Bereich aber der, der das Leben erst lebendig macht!

 

Auch Querdenken ist eine Technik, die Nicht-Wissen zu Wissen machen kann!

 

 

 

Verfasser: Dr. Rainer Sontheimer 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Dr. Jens Skowronek (Freitag, 12 Juli 2019 14:19)

    Sehr geehrter Herr Dr. Sontheimer,

    Danke für diesen Beitrag, der sich mit meinem Eindruck deckt. Die Situation wird auf den Punkt gebracht durch den Satz:

    "Zusätzlich vermehrt wird das Nicht-Wissen durch die Pluralisierung von Experten, denn je mehr Nicht-Wissen es gibt, umso mehr scheinbare Experten gibt es dazu."

    Es gibt sie ja, die "richtigen" (= die wirklichen) Experten, die sich tatsächlich auf ihrem Gebiet auskennen. Nur hören kann man sie nicht mehr (sofern sie sich überhaupt noch äußern mögen) in all dem lauten Rufen der überhand nehmenden "scheinbaren" Experten. Mir drängt sich der Eindruck auf: Je weniger Ahnung, desto lauter wird die "Expertenmeinung" kundgetan. Nicht der Bessere gewinnt die Deutungshoheit, sondern der Lautere. Schade.

    Ihnen ein schönes Wochenende.

  • #2

    @Sontheimer (Freitag, 12 Juli 2019 16:10)

    Der Artikel wirbelt viele Begrifflichkeiten durcheinander. Technik mit Wissen gleichzusetzen ist ein großer Irrtum. Erstens hat es in der Geschichte viel Technik gegeben, die sich später als nicht haltbar herausgestellt hat - perpetuum mobile zum Beispiel. Zweitens gibt es viele Techniken, die zwar erprobt, aber nicht wirklich beherrschbar sind - Atomkraft zum Beispiel. Drittens ist nicht jedes Wissen eine Technik und nicht jede Technik ein Wissen - damit würde man ja einen der beiden Begriffe für überflüssig erklären. Insofern meine ich, der Autor (ein selbst ernannter Experte für scheinbares Wissen) sollte über die Zusammenhänge noch einmal genau nachdenken. Was ich hier lese ist philosophisches Geschwurbel statt wissenschaftlicher Erkenntnis. Mal nachlesen bei Karl Popper, Stichwort kritischer Rationalismus, würde helfen.

  • #3

    Umweltheizung (Samstag, 13 Juli 2019 12:16)

    Danke Herr Sontheimer für Ihren Beitrag. Vielleicht mag der eine oder andere darüber nachdenken ob die Politik, Kraftwerks- und Leitungsnetzbetreiber ernsthaft daran interessiert sind mit unseren Ressourcen nachhaltig umzugehen. Schlussendlich leben wir in einer Konsumgesellschaft und die Wirtschaft profitiert ebenso von unserem verschwenderischem Umgang mit Rohstoffen, wie auch die Politik, welche ordentlich Steuern und Umlagen auf unseren Konsum von Gütern und Energie aufschlägt. Die Ökologie leidet heute schon massiv an den Folgen unserer Wegwerfgesellschaft und künftige Generationen werden all das ausbaden müssen, was die Industrie bislang an Abfällen, Schad- und Giftstoffen produziert hat.

    Als Experte für umweltbewussteres und ressourcenschonenderem Heizen - immerhin 88% unseres privaten Energiekonsums entfallen auf die Bereitstellung von Heizwärme und Warmwasser - prangere ich schon seit Jahren die Ineffizienz konventioneller Heiztechnik an und favorisiere Techniken, wie Solarthermie, Photovoltaik und Lüftung mit Wärme-, Feuchte und Kälterückgewinnung. Diese ermöglichen es uns von Anfang März bis Ende Oktober nahezu vollständig auf den Gebrauch eines Wärmeerzeugers zu verzichten. Die Sonne schickt uns keine Rechnung, belastet auch nicht die Umwelt durch schädliche Verbrennungsgase und liefert den größten Teil des Jahres ausreichend Energie um sowohl den elektrischen Strom als auch all die Wärme zu liefern, welche wir in dieser Zeit benötigen.

    Auch ist kaum jemandem der Wirkungsgrad, rsp. der Jahresnutzungsgrad seines Heizkessels bekannt. Oft liegt dieser - trotz verbauter Brennwerttechnik - nur zwischen 55% und 65%. Nicht-Wissen kann man begegnen mit dem Einbau eines Wärmemengenzählers.

    30% unseres Gebäudenergiebedarfs können wir heute klimaschonend mit Verbesserung der Effizienz (Vollbrennwerttechnik dank niedrigster Rücklauftemperaturen) erreichen, ohne auf den gewohnten Komfort verzichten zu müssen. 50% - 60% Gesamt-Ersparnis sind möglich wenn wir die Leistung der Sonne nutzen und zu unserem vorhandenem Heizsystem hinzufügen.

    Auch sind keine großen und teuren Speicher nötig, wenn die Energie bedarfsgerecht produziert wird. Dies gelänge bei Photovoltaik wenn wir beispielsweise die Flächen nach Osten und Westen, oder auch die nach Norden geneigten Flächen nutzen um elektrische Energie dann zu produzieren, wenn diese ge- und verbraucht werden kann. Waren bisher errichtete Solaranlagen auf den maximalen Ertrag ausgerichtet, so scheint es ökologisch sinnvoll diese in Neigung (jahreszeitlicher Ertrag bei Solarthermie) und Ausrichtung (tageszeitlicher Ertrag bei Photovoltaik) besser doch an den Bedarf auszurichten.

    Viele kleine Blockheizkraftwerke, wie auch dezentral zu errichtende Gaskraftwerke könnten Strom und Wärme gleichzeitig produzieren um damit den saisonalen Bedarf in den vier Monaten des Winters (November bis Februar) zu decken. Ein Lösungsansatz, der trotz Verwendung fossiler Brennstoffe unseren jährlichen Verbrauch und damit auch den Ausstoß von CO2 und anderen schädlichen Verbrennungsgasen dauerhaft um mehr als 80% reduzieren könnte und dabei auch viele teure Stromtrassen entbehrlich macht.

    Nichts ist nachhaltiger als Vorhandenes doppelt so lange, und mit verbesserter Effizienz zu nutzen.

    mit sonnigen Grüßen aus Franken

    Hermann Groß
    Effizienzberatung
    Umweltheizung Energie aus der Umwelt e. K.



  • #4

    CPO (Dienstag, 16 Juli 2019 13:55)

    Ich frage mich gerade ein wenig, ob die Grundthese des Artikels nicht auf der Vermischung zweier Begriffe beruht, die, wenn wir schon bis auf die Griechen zurückgehen, eigentlich nicht zwingend zusammengehören. Meine Platon-Lektüre ist nun schon ein wenig her, aber ich meine, mich erinnern zu können, dass gerade im Gorgias Techne (die Geschicklichkeit zum lösen praktischer Probleme) klar von der Theoria, dem Erwerb von Wissen um seiner selbst willen, wie es von den Weisen gesucht wird, unterschieden wird. Der neuzeitliche Mensch ist es freilich gewohnt, die beiden Kategorien zu vermischen, da er das "Wissen" um die sog. hard facts der Wirklichkeit größtenteils mit den Naturwissenschaften assoziiert, die ja die Grundlage für die gegenwärtigen technischen Errungenschaften bilden. Doch für die Tradition wäre derartige Gadgets allerhöchstens ein Nebenprodukt; die zum wahren Wissen, zur Episteme, führende Theoria hat kein Interesse an der pragmatischen Bewältigung der Welt, sondern ist bereits diese Bewältigung selbst. Waldorf und Statler aus der Muppet-Show führen eindrucksvoll vor Augen, dass die besten Momente in der Show des Lebens nur in der Loge des außenstehenden Betrachters zu haben sind...