Klimaschutz – ein semantisches Problem?

It’s the End of the World as We Know It (And I Feel Fine), R.E.M., 1987

 

Seien wir ehrlich: Unsere (nicht nur von uns Deutschen selbst) geliebte Sprache der Dichter und Denker ist alles andere als frei von Paradoxien, Ungenauigkeiten und Widersprüchlichkeiten.

So verlassen wir uns auf die Dienste der Feuerwehr ebenso, wie auf die der Bundeswehr. Doch während uns die eine Institution vor den Gefahren des Feuers schützen soll und nicht das Feuer selbst, soll die andere den Bund schützen und ihn nicht etwa bekämpfen. 

Lärmschutz soll uns vor ungewollter akustischer Belästigung bewahren, während Kinderschutz hingegen nicht als Dysphemismus für Verhütungsmaßnahme zu verstehen ist, sondern als Fürsorge für unseren Nachwuchs.  

Diese Liste ließe sich nahezu endlos fortführen, bis hin zu der Zuspitzung, dass die Begriffe Apfelbrei und Babybrei keine logischen Schlüsse auf die Hauptzutat des jeweiligen Genussmittels erlauben.

Damit stellt sich zwangsläufig die Frage: Was meinen wir eigentlich, wenn wir von Klimaschutz sprechen? Wollen wir das Klima schützen oder wollen wir uns vor den Auswirkungen des Klimas schützen? Diese Frage ist nicht unerheblich, münden die jeweiligen Antworten doch in unterschiedliche Maßnahmen und Prioritäten seitens der Menschheit.

Erstgenannte Auffassung vom Klimaschutzbegriff gipfelt in der Parole "Wir müssen das Klima retten!!!", vor deren Gebrauch sich zunehmend häufig nicht einmal mehr jene Wissenschaftler, Politiker und Klimaaktivisten(!) scheuen, von denen man ein höheres Maß an Reflektiertheit gewohnt ist, bzw. erwarten darf.

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Gibt es denn eine ethische oder moralische Verpflichtung, das Klima um des Klimas wegen zu bewahren? Sollte man nicht davon ausgehen, dass dem Klima sein Dasein vollkommen egal wäre, vorausgesetzt, es besäße die Fähigkeit, darüber zu reflektieren?

Selbst wenn man zu dem Schluss käme, das Klima retten zu müssen, stellte sich die Frage: wie?

Wollten wir ernsthaft versuchen, einen immerwährenden Prozess (und nichts anderes ist Klima; Klima ist kein Zustand!) zu verändern bzw. zu bewahren, den selbst die Wissenschaft nur in Ansätzen versteht? Auch Quantencomputer wären mit der exakten Analyse und Prognose des Klimas überfordert, schlicht, weil verlässliche Daten aus Millionen Jahren Erdgeschichte fehlen.

 

Eines aber ist Gewissheit: Der Klimawandel kommt, denn Klimawandel ist immer. Dass dieser Wandel dabei von Menschenhand in dramatischer Weise beschleunigt wurde und wird, gilt mittlerweile als weitestgehend unumstritten.

 

 

Es sollte aber die Frage erlaubt sein, ob es wirklich sinnvoll - und vor allem ausreichend - ist, unsere Ressourcen, Fähig- und Fertigkeiten darauf zu ver(sch)wenden, die Emission von CO2 zu verringern.

 

Nicht falsch verstehen: Es ist zweifelsohne ein begrüßenswertes politisch-gesellschaftliches Projekt, den Menschen dahingehend aufzuklären, dass dieser imstande ist, sein persönliches Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen. Gleiches gilt für gesetzliche Auflagen für Industrie, Mobilität und Handel.

Wir dürfen uns aber nicht einreden, dass es damit dann für alle Zeit getan ist. Alle bereits eingeleiteten und noch ausstehenden Maßnahmen zügeln lediglich den menschlichen Einfluss auf die Klimaerwärmung, sie entschleunigen den Wandel, sie stoppen ihn nicht.

In der teils hysterisch geführten Klimadebatte beschleicht einem manchmal das Gefühl, die Menschheit müsste nur bis 2030 ihre selbstgesteckten CO2-Emissionsziele erreichen, um von da an und für alle Zeit glückselig unter den gewünschten klimatischen Verhältnissen leben zu können. Werden aber diese Ziele nur um 0,5 Prozent oder um ein Jahr verfehlt, dann steht uns unausweichlich der Weltuntergang bevor.

 

Diese Schwarzweißmalerei ist aber fatal. Dies gilt umso mehr, da unplanbare Naturereignisse, wie ein Meteoriteneinschlag (Nein, die Hollywoodlösung funktioniert nicht!)* oder die Eruption eines Supervulkans das Klima in Ausmaß und Tempo zu unserem Nachteil verändern würden, die sämtliche Klimamodelle ad absurdum führen. In diesem Lichte erscheinen politische Entscheidungen - wie das Zwei-Grad-Ziel in besonderem Maße - als das, was sie sind: unambitioniert und weitestgehend wirkungslos einerseits, vollkommen naiv andererseits.

Der Querdenker-Kongress


Nein, das Klima ist nicht zu schützen. Sein Wandel ist auch nicht aufzuhalten. Aber der Mensch kann sich und seine Mitbewohner auf Erden vor den Auswirkungen des Klimas schützen. Seine einzigartige Anpassungs- und Innovationsfähigkeit ist es, die ihn befähigt und womöglich ethisch-moralisch dazu verpflichtet, das Leben auf Erden auch noch in ferner Zukunft zu ermöglichen.

 

Technischer Fortschritt darf sich daher nicht auf "klimaneutrales" Produzieren und Konsumieren beschränken. Wir müssen die großen technischen Lösungen entwickeln und etablieren, die es erlauben, auch bei dramatischen Veränderungen der Umweltverhältnisse das Überleben von Milliarden von Menschen zu gewährleisten, sei es durch passive Schutzmaßnahmen vor extremen Wetterereignissen, durch die Erschließung bisher weitestgehend unbewohnbarer Regionen oder Erforschung neuer Nahrungsquellen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Sarkastisch gesagt: Wenn ich morgen in München mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit fahre, hilft das niemandem in Bangladesch, bei der nächsten Überflutung, sein Hab und Gut und nicht zuletzt sein Leben in Sicherheit zu bringen.

 

Ist Klimaschutz nun ein semantisches Problem,
wie in der Überschrift gefragt?

 

Natürlich nicht, aber er hat ein semantisches Problem, denn der Begriff ist sehr diffus und wird bei weitem nicht der Tragweite seiner eigentlichen Bedeutung gerecht. 

Man darf Klimaschutz nicht auf die Einhaltung (mehr oder weniger) willkürlich gesteckter CO2-Emissionsziele oder Erderwärmungsgrade reduzieren, was in der aktuellen Debatte leider verstärkt zu beobachten ist. Es geht eben nicht um den Schutz des Klimas, sondern um den Schutz des Menschen, den Schutz der Umwelt, den Schutz des Lebens vor dem Klima, bzw. dessen Wandel und Folgen. Klimaschutz ist Selbstschutz.

Querdenker-Partner


Da man Bewusstseinswandel nicht verordnen kann, bedeutet Klimaschutz als erstes Aufklärung. Hiernach benötigt es Technologien, die einen Verhaltenswandel attraktiv, bestenfalls erstrebenswert machen. Was wir aber am dringendsten benötigen, sind Technologien, die uns vor den Folgen des Klimawandels schützen.

Denn die menschliche Hybris, das Klima nach unserem Gusto gestalten zu können, wird keine gute Begleiterin in die Zukunft sein. Alles andere kriegen wir hin.

 

Querdenker aller Welt: Rettet nicht das Klima, rettet das Leben!

 

Verfasser: Alexander Preylowski

*für die jüngeren Leser: "Deep Impact" und "Armageddon", beide 1998: in beiden Werken wird der ungebetene Himmelskörper schlicht gesprengt


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