Hi Influencers, empört euch, aber endlich mal richtig!

Was 90 Youtuber können, nämlich für Furor(e) zu sorgen, versuchen wir heute auch, aber mit nur einem Blogger!

 

Prolog

 

Haben Sie sich heute schon empört? Auf einen Politiker, Youtuber oder auf „die da oben“ geschimpft? Andere Autofahrer oder Radler angeschrien? Oder nur das übliche Bashing eines Y-Prominenten im Trash-TV? 

Gestehen Sie: Sie wissen es natürlich besser! Und wenn nicht, dann sind Sie zumindest moralisch überlegen! 

 

Die empörte Gesellschaft

 

Es ist zu einem neuen Hobby der Nation geworden, sich zu empören. Zwar existiert der Begriff der Empörungsgesellschaft schon seit ca. 2010 dank einer Schlagzeile von Zeit Online, allerdings wurde diesem (medien-)gesellschaftlichem Befund erst in den letzten Jahren durch PEGIDA und die AfD so richtig Leben eingehaucht. 

Seitdem wird sich, zumindest subjektiv gefühlt, in der Gesellschaft deutlich mehr und permanent empört und vor allem besser gewusst. Jede politische Aussage oder Entscheidung wird (social-) medial zerfetzt, selbsternannte Experten, Influencer, Kommentatoren und Foristen lassen ihre Tasten glühen, wenn eine Meinung nicht der ihrigen entspricht. Jeder weiß es besser, ob in der Weltpolitik, der Wirtschaft, im Sport, in der Sicherheitspolitik oder im Verkehr. 

Inwieweit die aktuellen Empörungswellen von Greta, Friday-for-Future und nun Rezo mit seiner Youtube-Influencer-Entourage eine neue Qualität oder tatsächlichen Einfluss auf die Politik haben, kann zum heutigen Stand noch nicht beurteilt werden. Ein gravierender Unterschied zu früheren Empörungswellen ist aber klar zu konstatieren: Selten zuvor haben Politiker, Parteien und Medien so sensibel reagiert und selten wurden unterschiedliche gesellschaftliche Grundwertdebatten über ein YouTube-Video so provoziert. Daher denken wir diese Proteste quer und fragen diese Woche: 

 

Sind mediale Beiträge wie die „Zerstörung der CDU“ oder der aktuelle Empörungs- bzw. Anklageaktivismus gegen die Regierung effektive Methoden, um unsere Gesellschaft besser zu machen oder die Politik zu verändern? Oder befördert die aktuelle Diskursform vielmehr die gesellschaftliche Spaltung und treibt die Bürger in unversöhnbare Lager?

Querdenker live treffen!


Alter Protest in neuen Medien

 

Es erstaunt zunächst wenig, dass sich Medienschaffende, die Jugend und links-grüne Parteien vor Freude über Rezo und Co kaum noch auf den Talkshow-Sesseln halten können. Was an Kritik jahrelang an der Teflon-Merkel-CDU oder der GroKo abprallte, bricht sich nun in den Jugend- und Youtube-Bewegungen seine Bahn.

Ob in den sozialen Medien oder auf der Straße: Mit aller Brutalität überrollt die Kritik an der Klimapolitik die ehemaligen Volksparteien CDU und SPD und lässt die Nation auf einen Kanzler Robert Habeck hoffen. Denn es gilt das Motto: Klima first! Löst UNSERE Probleme! Jetzt! Sofort! Egal wie!

So weit, so altmodisch. Denn sind wir ehrlich: Schon seit den 70ern gab und gibt es diese Proteste junger Generationen gegen die Alten, gegen die da oben, gegen die böse Politik und die noch bösere Wirtschaft. Hätten diese Aktivisten in Wackersdorf-Zeiten auch schon Youtube und Instagram gehabt, wer weiß wo wir heute stehen würden.

 

Kritik an der Regierung durch die Jungen ist daher zunächst nix neues. Diese darf – wie im Falle Rezo oder bei Talkshow-Auftritten von Pseudo-Politikerinnen wie Charlotte Roche – auch polemisch, einseitig, populistisch, naiv oder gänzlich falsch sein. Denn es ist das Recht der Jugend oder auch eines ideologischen Aktivisten, so zu kritisieren – im Gegensatz zu Journalisten, Wissenschaftlern oder Politikern, die in ihrer Kritik auch die Realität und die Sachzwänge des Alltags berücksichtigen sollten.

Der Querdenker-Kongress


Neue deutsche Härte

 

Bei all der Glorifizierung der Proteste werden vier negative Aspekte nur selten diskutiert. Logisch, denn wer will sich schon im Stile einer AKK oder eines Christian Lindner bei Kindern und ihren besorgten Eltern unbeliebt machen oder gegen den „guten“ und „richtigen“ Mainstream motzen?  

  1. Inhaltliche Oberflächlichkeit: Natürlich erwartet von einem Youtube-Influencer oder einem Schülerstreik niemand realpolitische Lösungen oder konkrete politische Maßnahmen. Der Rückzug auf einfache Botschaften im Sinne „Wir müssen jetzt was tun“ ist allerdings auch zu wenig, um wirklich in die Diskussion mit Politik und Wirtschaft zu kommen. So verkommt der Protest zu einer polemischen und (öko-, links-,)populistischen Anklage, die für die Problemlösung allerdings wenig weiterhilft. Ebenfalls wenig lösungsorientiert ist es, Sachzwänge und andere Realitäten als die eigene schlicht nicht anzuerkennen. Auch für eine Youtuber ist es unethisch und unredlich Fakten falsch oder verkürzt als die scheinbar echte Wahrheit zu verkünden. 
  2. Härte der Sprache: Es erstaunt immer wieder, mit welcher Arroganz, Besserwisserei und anklagendem Tonfall sich die Prostestierenden äußern. Ohne Rücksicht auf Respekt und Grundregeln des Anstands werden Politiker und Bürger diffamiert, ausgelacht und als dumm, reaktionäre, rücksichtlos, korrupt oder ignorant bezeichnet, wenn sie nicht schnell in den Mainstream-Diskurs einsteigen. Wer kritisiert oder Gegenfragen stellt wird sofort zum Klimaleugner, Meinungsfreiheiteinschränker, Lobbyist oder Rechtspopulist. Allein die Nachfrage, wie bspw. eine CO2-Steuer ausgestaltet werden kann, reicht, um als Klimagegner beschimpft zu werden. Eine Partei, die Klimaschutz nicht als erste Thema nennt steht sofort unter dem Verdacht, dass ihr das Klima nicht wichtig wäre. Kurzum: Die Fronten zwischen euphorischem Aktionismus und realitätsnaher Sachpolitik werden täglich härter und die Kritik an den Regierenden immer brutaler.
  3. Spaltung der Bürger: Das EU-Wahl Ergebnis hat viele neue Zerwürfnisse in unserem Land aufgezeigt: Der Osten wählt blau statt grün, die Jungen wählen grün, die Alten „alt". Das Problem: Das jahrelange Gejammer, dass unsere Gesellschaft immer weiter auseinander driftet wird mehr und mehr Realität. Aber nicht aufgrund sozialer Kälte, sondern ökologischer und populistischer Härte. Die Sprachrohre des Klimas, der Jugend und der Linken feuern immer gnadenloser gegen alles, was nicht mehr links oder grün ist, umgekehrt verziehen sich die Rechtspopulisten in ihrer braunen Wageburgen und irgendwo dazwischen versuchen CDU, SPD und Liberale, ihre Existenz zu rechtfertigen. Gegen Enteignungen, gegen Nationalismus, gegen Ökohysterie, gegen soziale Härte. Das Problem: Der Wähler, der scheinbar zu satt oder zu ängstlich geworden ist und sich daher für immer extreme Positionen aufgrund emotionaler Motivation begeistert.
  4. Moralische Verachtung: Was die Empörung noch viel schlimmer macht: Es wird nicht mehr nur genörgelt, sondern vor allem moralisch verachtet. Jan Fleischhauer schrieb in seiner Kolumne am 14.06.2018 auf Spiegel-Online in Bezug auf die Kritik an Polit-Talk-Shows: „Wenn einem nichts mehr einfällt, womit man Menschen für seine politischen Anliegen begeistern kann, schimpft man darüber, dass sie zu dumm seien zu begreifen, wie gut man es mit ihnen meine, weil sie die falschen Zeitungen lesen oder die falschen Sendungen sähen.“ Und hier kommt der Punkt, an dem es ethisch relevant wird: Abzulehnen ist  wenn Kritik nicht mehr in sachlicher Form, sondern in Gestalt einer moralischen Verachtung des Anderen bei gleichzeitiger Überhöhung des Ichs stattfindet. An dieser Stelle ist die Empörung dann nicht mehr nur Kritik, sondern ein Verweis auf eine gesellschaftliche Entwicklung, in der entweder nur noch der eigene Vorteil und die eigene Befindlichkeit zählen oder ein individueller Maßstab der Moral zur Richtschnur für alle werden soll. 

Querdenker-Partner


Ethisch richtig streiten

 

Für jeden Einzelnen – uns Querdenker eingeschlossen – gilt es zu reflektieren, warum es scheinbar immer seltener gelingt, eine Streitkultur zu pflegen, die ein Gegenargument aushält, anstatt beim ersten Gegenlüftchen die Moralkeule zu schwingen? Man kann sich die Frage stellen, wann wir aufgegeben haben, über Fakten zu streiten und eine Diskussionskultur entwickelt haben, die vielmehr ideologisch bewertet als analysiert. Streit und Meinungsdifferenzen sind an sich positive Elemente, da sie ein Ausdruck von vielen Möglichkeiten und Weltanschauungen sind.

Um diese Unterschiedlichkeiten zu vereinen benötigt es Kompetenzen wie zuhören, hinterfragen, Fakten zu berücksichtigen und vor allem die andere Seite ernst zu nehmen mit Akzeptanz der Andersartigkeit. Es scheint, als ob diese Anerkennung einer moralischen Überheblichkeit gewichen ist und nicht mehr die Sachlage, sondern der höhere moralische Wert bestimmt, was richtig ist. Dies ist aber das ethische Dilemma: denn wer kann entscheiden, was WIRKLICH richtig oder moralisch besser ist? Häufig werden gerade in politischen Diskussionen das Grundgesetz oder die Menschenwürde als letzte Instanz genannt, wer damit argumentiert, gewinnt zwar leicht einen Streit, hat aber nicht zwingend in der Sachlage recht.

Die hohe ethische Kompetenz des Streitens besteht darin, die (eigenen) moralischen Argumente beständig zu hinterfragen und Begründungen zu suchen, die alle zufrieden stellen. Das können Fakten sein, aber auch sogenannte letzte Gründe, die nicht mehr hinterfragbar sind. Dieses sokratische Nörgeln geht an die Substanz und Nerven, ist aber für eine gesunde Streitkultur unumgänglich. Wer sich moralisch empört oder der Gutmensch in der Diskussion sein will, sollte nicht nur versuchen, alle Fakten zu kennen, sondern auch die moralischen Begründungen des Anderen. Ebenso gilt es zu definieren, was das Ziel des Streits sein soll: lediglich die Bestätigung, selbst Recht zu haben? Oder seiner Empörung freien Lauf zu lassen? Oder doch eine Lösungsorientierung?

 

Lächle, denn Du kannst Sie nicht alle verachten!

  

Als Querdenker raten wir (mal wieder): Wechseln Sie immer wieder die Perspektive, überlegen Sie, ob ein Gegenargument nicht auch richtig sein kann, versuchen Sie Dinge bis zum Ende zu denken, und vor allem: verlassen Sie ab und an ihren emotionalen rosa Zuckerwattekosmos der Hypersensibilität und Dauerbetroffenheit. Man muss ab und zu auch eine idiotische Meinung aushalten, Fehler akzeptieren und tolerant sein können, auch wenn es weh tut. Oder völlig verrückt: Mal über einen Fehler des Anderen zu lächeln, anstatt ihn zu verdammen und ewig anzuklagen

 

 

 

 

Verfasser: Dr. Rainer Sontheimer

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