Ethik

Wir sind auf der guten Seite – Plädoyer für ein Revival der Ethik 

Fast alle Veränderungen der Welt liegen heute in dem Spannungsfeld von Ethik, Ökonomie und Technik. Vor allem die disruptiven Veränderungen durch Technologien zwingen uns zu grundsätzlich ethischen Fragen für unser zukünftiges gesellschaftliches Leben. 

 

Introspektion

 

Unser Kongress bildet im November den Abschluss und zugleich Höhepunkt des Querdenker-Jahres. Dort kumulieren sich die Themen, die wir über das Jahr hinweg hier im Blog, bei unseren Events und auf unseren Social Media-Kanälen behandeln.

Nachdem in den letzten Jahren der Schwerpunkt auf den digitalen Innovationen lag, wollen wir heuer der Ethik einen wesentlich größeren Raum geben. Denn: Hinter allen technischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen verbergen sich immer zahlreiche ethische Fragestellungen und moralische Probleme. Wir sehen es als unsere Aufgabe, nicht nur das technische Querdenken zu feiern, sondern dieses auch kritisch quer zu hinterfragen.

Die Euphorie über die Errungenschaften der Digitalisierung verleitet schnell dazu, die sozialen, ethischen oder politischen Konsequenzen zu überdecken. Das gesellschaftspolitische Klima, das heute primär nach schnellen Lösungen schreit und sehr von Emotionen getrieben wird, verstärkt dieses Ausblenden von ethischen Fragen. 

Bei unseren Keynotes, Podiums-Diskussionen, Innolabs und Workshops auf dem Kongress werden wir daher ethische Fragestellungen gezielt integrieren und mit Experten und Expertinnen ausführlich beleuchten.

 

Ethik und die Frage nach dem Richtigen im Falschen

 

Wie immer bei solchen philosophisch-soziologisch-theologischen Begriffen wie Ethik, Glaube oder Wissen bedarf es normalerweise einer scharfen Definition, um konkrete Fragen oder Probleme beschreiben zu können. Wir ignorieren diese Forderung wie auch eine historische Herleitung und überlegen:

 

 

 

Die Ethik soll für uns daher mit Begriffen wie verantwortbar, sittlich, moralisch, sozial verträglich oder praxistauglich umschrieben werden mit dem Ziel, konkrete ethische Fragen oder Dilemmas aus der Realität abzuleiten.

 

Denn wenn wir von Innovationen und ihren Folgen sprechen, sprechen wir zugleich von Wissen und Dingen, die wir jetzt noch nicht wissen. Wir spekulieren nur, was wie sein könnte, und operieren damit immer mit dem sogenannten Nicht-Wissen. Die ethische Beurteilung ist somit immer eine Bewertung einer möglichen Zukunft und verbietet eine enge Definition aufgrund der Gefahr, Themen dadurch zu vergessen.

 

Querdenker live treffen!


 

Gesellschaftliche Relevanz des Themas

 

In den öffentlichen Debatten sind ethische Fragestellungen zu den Modernisierungsprozessen noch meist ein Randthema, obwohl sie für die Gestaltung der Zukunft oft wichtiger sind als die Innovationen selbst. Auf der technischen Seite sind Künstliche Intelligenz, Virtual Reality, Blockchain, Bitcoins, Robotik, Biohacking, Big Data, Genetik, Mobilität, Smart- und Green-Tech die Themen, die unsere Gesellschaft maßgeblich und nachhaltig gestalten werden. Auf der ökonomischen Seite sind Digitalisierung, globale Finanzwirtschaft, Logistik, Ökologie und politische Veränderungen zentrale Felder, mit denen sich jeder Unternehmer, jede Organisation und jeder Einzelne auseinandersetzen muss.

Alle Entwicklungen vereint, dass sie noch nicht ansatzweise absehbare Auswirkung auf das Leben jedes Einzelnen haben. Auch eventuelle sozial-philosophische Konsequenzen, die unser gesamtes Menschenbild verändern können, sind noch unklar. Denn hinter jeder einzelnen Innovation verbergen sich Fragen juristischer, sozialer, ökologischer, politischer und psychologischer Relevanz, die nur mit intensiven Kenntnissen der Materie, mit kreativem Denken und einem ausgeprägten Expertentum in ihrer gesamten Bandbreite erfasst werden können.

Der Querdenker-Kongress 2019


 

 

Ehtische Fragestellungen

 

  1. Technik und Digitalisierung: Insbesondere die digitalen wie technischen Innovationen erfordern von Seiten der Verbraucher ein hohes Maß an Wissen, Fertigkeiten und Zeit. Nicht jeder hat diese Ressourcen zur Verfügung, sei es aufgrund von Alter, Bildung, Krankheit oder Überforderung. In der Soziologie werden diese Fragen im Bereich der „sozialen Ungleichheit“ diskutiert. Wer kann sich die Technik leisten und wie wird sie eingesetzt? Welches Maß an Bildung wird dafür benötigt? Wer wird davon ausgeschlossen? Wer kann damit umgehen? Welche sozialen Folgen hat bspw. die Abschaffung von Bargeld zugunsten von Kryptowährungen für Bereiche, die heute noch mit Bargeld hantieren? Einfach gefragt: Wie gibt man ohne Bargeld einem Straßenmusiker Geld? Wie können bspw. Senioren mit diesem Fortschritt mithalten? Können nur 1. Welt-Länder diese Entwicklungen gestalten oder können 3. Welt-Länder durch die Innovationen schneller/besser entwickelt werden? Wie gehen wir mit Menschen um, die sich dem Fortschritt verweigern? Ergo: Welche Folgen können für die Demokratie und den Sozialstaat entstehen?
  2. Medizin und Gentechnik: Wollen wir eine Gesellschaft, in der ein Kind im Mutterleib genetisch verändert werden kann? Wie weit will man im Bereich des Klonens gehen? Ist ein Klon juristisch so zu behandeln wie ein Mensch? Wie verändert sich der Mensch in seinem Wesen durch ein Biochipimplantat im Gehirn? Oder durch Techniken in der Motorik?
  3. Robotik: Wo ist die Grenze zwischen Menschen und Robotern, wenn diese immer mehr menschliche Eigenschaften haben? Wollen wir Roboter, die unsere Emotionen erkennen können? Wo können solche Techniken missbraucht werden? Wie eigenständig sollen Roboter sein? Wer steuert diese verantwortungsvoll? Wie garantiere ich bei Lebensmitteln aus dem 3-D Drucker die Qualität oder gesundheitliche Standards?
  4. Autonomes Fahren oder Fliegen: Wie ist ein Autounfall juristisch zu bewerten, wenn zwei selbstfahrende Autos kollidieren? Wieviel Verantwortung für das Leben wollen wir der künstlichen Intelligenz überlassen? Welche Folgen hat E-Mobilität für unser Verhalten im Verkehr oder auf der Straße?
  5. Automatisierung von Arbeit: Sind irgendwann Roboter- oder Maschinensteuern notwendig, wenn nicht mehr Menschen, sondern Maschinen die Arbeiten verrichten? Müssen unsere Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft überdacht werden, wenn Maschinen und Roboter zentrale Akteure in dieser Kette werden? Was machen wir mit der freien Zeit?
  6. Nachhaltigkeit: Wie bemessen wir diese überhaupt? Ist es ökologisch nachhaltig, auf E-Mobilität umzusteigen, wenn Regenwälder abgeholzt oder indigene Völker umgesiedelt werden müssen, um seltene Erden für die Baustoffe dieser Techniken zu gewinnen? Wie ökologisch sinnvoll ist es, Bioprodukte aus anderen Teilen der Welt zu importieren? Wie können alle Faktoren der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit berücksichtigt werden? Kann man soziale Nachhaltigkeit messen?
  7. Big Data: Wie transparent will sich jeder einzelne machen? Wer überwacht die Verwendung von Daten? Wie können Daten missbraucht werden? Wollen wir „chinesische“ Verhältnisse? Was sind die Alternativen zur Cloud? Wer überwacht die Überwacher?
  8. Moral, Politik, Wirtschaft und Soziales: Alle Felder sind unter dem Einfluss von Globalisierung, Ökologisierung, Ökonomisierung ebenfalls hochgradig ethisch problematisch. Wieviel Wachstum kann sich die Welt leisten? Wer bestimmt die Moral oder Ethik in der Welt? Wieviel Ökologie muss für den Fortschritt geopfert werden und zu welchen Lasten? Ist die Demokratie in unserem Verständnis die Beste aller Regierungsformen?

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Fazit

 

Kurzum: Wenn man sich heute Science Fiction Filme anschaut, stellt man fest, dass manche Innovation aus alten Filmen schon längst Realität sind. Diese Entwicklungen sind nicht aufzuhalten und jeder einzelne kann oder muss sich fragen: Ist das moralisch vertretbar? Will man in so einer Gesellschaft leben? Welche Auswirkungen könnten die Innovationen auf mein eigenes Leben haben?

Aufgrund dieser genannten Fragen ist das Thema Ethik zukunftsgestaltend und wird sowohl beim Kongress als auch auf unseren Kanälen in den nächsten Wochen entsprechend diskutiert werden. Denn genau die Infragestellung von technischen Innovationen oder wirtschaftlichen Entwicklungen mit der ethischen Brille und dem globalen Blick sind essentiell für echtes Querdenken!

 

 

 

 

 

Verfasser: Dr. Rainer Sontheimer

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Kommentare: 4
  • #1

    fea (Mittwoch, 29 Mai 2019)

    Kann man jemals wissen, ob man auf der "guten Seite" steht, kann man das jemals für sich in Anspruch nehmen?

  • #2

    Tina Wiegand (Mittwoch, 29 Mai 2019 11:07)

    Immer, wenn es um Ethik geht, werden nur die Fragen nach gut und böse gestellt. Aber immer "gut" sein zu wollen ist die Sicht des braven Kindes. Eine reife Persönlichkeit weiß, dass man "das Böse" nicht ausrotten kann, weil es Teil unseres Lebens ist. Es ist der Minuspol zum Pluspol, es ist die Dunkelheit zum Licht, es ist das Satanische zum Göttlichen, dass Zerstörerische zum Kreativen, das Kalte zum Warmen und der Hintergrund, vor dem das Licht erst als Licht erkannt werden kann. Das Böse ist da. Immer! Und es ist laut. Alles, was entwickelt wird, fällt automatisch dem Bösen in die Hände. Das "Böse" missbraucht alles, was es missbrauchen kann. Ist deswegen die einzige ethische Möglichkeit zu verzichten und nicht zu entwickeln?

    Das Böse ist nicht irgendwo da draußen. Es ist in uns selbst! Alles was uns zur Faulheit verführt, zur Gier, zum Geiz, zum Hass, zur Überheblichkeit, zur Sucht, zum Neid und alles was uns absichtlich Angst macht ist eine Gesandschaft des "Bösen". Wir werden das niemals abschaffen. Diese Einsicht beunruhigt. Aber ein Reifeweg ist kein Wohlfühlweg - kein Fingerpointing, kein Moralthrönchen. Erkenntnis chockiert. Blaue oder rote Pille? Schlafen oder Schrecken? Das einzige unendliche Wachstum ist das Persönlichkeitswachstum und selbst das ist endlich. Die Frage, die sich eine reife Persönlichkeit stellen muss ist: wie verführbar bin ich? Ab wann bin ich käuflich? Und ab wann verkaufe ich meine Seele? Ethik finden wir nicht, indem wir die Welt verändern. Wir finden sie nicht in der Menschenrechtscharta, nicht in den Gesetzen, nicht in der Kirche. Ethik finden wir, indem wir unseren Charakter veredeln, selbst wenn wir ein einsamer Geisterfahrer sind. Die, die weit von solchen Überlegungen entfernt sind - also die große Mehrheit der Menschen - kann man nur als Spiegel der eigenen Unzulänglichkeit zu verstehen. Missionieren klappt nicht wirklich. (Hab ich versucht:-) Das macht demütig. Und Demut - ja, an die muss man sich erst gewöhnen. Aber wer sich nicht daran gewöhnt, wird nicht reifen, wird dekadent und zu denen gehören, die diese dekadente Gesellschaft dem Untergang zuführen, dem sie geweiht ist. Für eine reife Persönlichkeit ist es dann Zeit, sich mit der Unabwendbarkeit des eigenen Ablebens zu beschäftigen. Das alleine ist schon ein Reifeprozess:-)

  • #3

    Falko A. Cerny (Mittwoch, 29 Mai 2019 11:17)

    tja. dummerweise leben wir in einem verwissenschaftlichten zeitalter, in dem alles mögliche wissenschaftlichen kriterien unterworfen wird (analysen, studien, zahlen, daten, algorithmen, nachweise, beweise, undsoweiter undsoweiter). eines dieser kriterien ist die "objektivität": alles, was "nur subjektiv" ist, gilt als spekulativ, störend, hinderlich und potenziell falsch. so etwas wie ethik und moral jedoch sind eben letzteres: "nur subjektiv" und bleiben in diesem denkfilter hängen. das ist exemplatisch, wie man sich durch seine denkweise probleme produziert, die man gar nicht haben müsste - und die man dann auch noch mit derselben denkweise zu lösen versucht.

  • #4

    Uwe Günther (Mittwoch, 29 Mai 2019 12:18)

    Die heutigen Manager finden ihre Herausforderungen zwischen Markt, Macht und Moral. Meine Grundüberzeugung ist: Moral im Business ist möglich. Und sie ist wichtiger als der Preis. Moral und Ethik dürfen bei all dem Drang nach Erfolg und Geld nicht auf der Strecke bleiben. Die ethische Grundorientierung darf nicht durch falsche Ziele, überbewertete Ergebnisse, eine schleichende Unmoral oder stillschweigende Duldung torpediert werden.
    Diese Grundüberzeugung setze ich in meiner täglichen Arbeit als CPO um und erwarte das auch von meiner Organisation. Das verlangt eine klare Kommunikation nach innen und außen und eine permanente Reflektion der aktuellen Marktbedingungen. Es ist also ein täglicher Kampf.