Politisch unkorrekt

Um zum Einstieg gleich das Eis zwischen Ihnen, der geneigten Leserschaft, und uns, dem Zentrum der querdenkenden Schönheit, zu brechen, sollten wir uns entschuldigen. Denn mit unserer Kritik am Kult um Greta, haben wir letzte Woche so manchem Leser eine schlaflose Nacht, eine Bluthochdruckkrise oder einen Schrei der Empörung beschert. Nicht, weil die Kritik an den prophetischen Ausmaßen des Greta-Kults nicht richtig wäre, sondern weil es einfach politisch unkorrekt ist, sich über junge Aktivisten, den Bienenkult und die Klimarettung zu echauffieren. 

Tun wir aber nicht! No regrets! No sorry! Wir stehen zu unserer scheinbaren Unkorrektheit und nehmen lieber diese ins analytische Visier! 

 

Moralischer Populismus

 

Wir hatten es ja schon angedeutet: Der Hype um Greta und den Klimaschutz ist nur eine kleine Episode in einer gesellschaftlichen Entwicklung, die jedem mindestens so viel Angst machen sollte, wie die Folgen des Klimawandels selbst. Denn der politische Diskurs und die Debatten in der Öffentlichkeit orientieren sich heute oft nicht mehr an empirischen Fakten, nachhaltiger Vernunft oder einfacher Logik, sondern am Grad der (social-)medialen Empörung und an der Lautstärke der moralisch „richtigen“ Seite. Nicht mehr nur die rechten Populisten sind heute eine Gefahr für die Demokratie, sondern auch linke, ökologische oder sonstige Aufmerksamkeitssuchende. 

Diese Entwicklung wollen wir genauer analysieren und fragen, wie heute mit abweichenden Meinungen und Kritik an moralisch vermeintlich richtigen Ideen in der Gesellschaft umgegangen wird. Oder kurz gesagt: Wir denken die politische Korrektheit quer und fragen uns, wer diese eigentlich nach welchen Werten definiert. Und wir fragen erst recht, ob dieser moralische Populismus und die kategorisch-imperativen Meinungen unserer Gesellschaft nicht mehr schaden als helfen. 

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Im Diskurs der Korrektheit nichts Neues 

 

Was heute Greta ist, war gestern Reem Sahwil (das von Angela Merkel betrübte Flüchtlingsmädchen) und vorgestern das Gender_Innen*x. Man weiß nicht genau, wann der Begriff der political correctness (p.c.) bei uns zum agent provocateur wurde, genau weiß man aber: nichts spaltet die Nation so tief und empört so schnell die Gemüter, wie politisch unkorrekte Aussagen. Ist das Gender* notwendig? Sollte man Migration nicht doch begrenzen? Ist E-Mobilität die Lösung aller klimatischen Probleme? Ist Greta wirklich eine würdige Friedensnobelpreisträgerin? Wer solche Fragen in einer Talk-Show, auf Facebook oder am Stammtisch stellt, muss sich bewusst machen: Der Applaus wird nicht auf seiner Seite sein und die mediale Meute wird aus ihm Hackfleisch (Verzeihung: Kleinholz) machen. 

 

Hängt ihn höher!

 

Der Kritiker vermeintlich richtiger Mainstream-Meinungen wird heute in den Medien und in der Politik nicht nur öffentlich geächtet und an den Pranger gestellt, sondern mitunter komplett vernichtet. Ein falsches oder verdächtiges Wort („Asyltourismus“), ein unangebrachter Witz („69 Abschiebungen an meinem 69. Geburtstag“), ein falsches Kompliment („Sie könnten ein Dirndl ausfüllen“), eine undurchdachte Bemerkung („Klimaschutz ist was für Profis“), Formulierungen, die absichtlich aus dem Zusammenhang gerissen werden („Migration als die Mutter aller – POLITISCHEN – Probleme“), eine Diskussion an der Uni über Religion (siehe den Fall „Susanne Schroeter“), eine unredliche Tat am falschen Ort („Katharina Schulze mit dem Plastiklöffel in Los Angeles“) und es ist Feierabend mit der Karriere, dem Image oder dem Respekt.

 

Der Querdenker-Kongress 2019


 

Die Intoleranz der Toleranten

 

Ob Shitstorm im Internet, Rücktrittsaufforderungen in der Politik, Entmachtung am Arbeitsplatz, Enthebung aus Ämtern, Vertreibung von einer Bühne oder einfach nur psychosoziale Erniedrigung, die Folgen für den Unkorrekten sind real, schmerzhaft und häufig nachhaltig. Viel zu wenig bedenken die Anwälte der Moral in ihrem Betroffenheitsfuror die echten oder leibhaftigen Konsequenzen für den „Täter“ (man liest übrigens sehr selten von „TäterInnen“…).

Erbarmungslos und mit aller Härte wird gegen den scheinbaren Sexisten, Rassisten oder Klimaleugner vorgegangen. Menschenrechte und Würde gelten dabei nur für die Opfer, nie für die Täter. Zweite Chancen, Veränderung der Meinungen, Läuterung oder Entschuldigungen gesteht man jedem Straftäter zu (außer Uli Hoeneß, das wäre aber ein eigener Blog), aber nicht dem Moralverbrecher!

Und das Perfideste ist: Es sind gerade die vermeintlich weltoffenen Toleranzprediger, Demokratieretter oder Minderheitenschützer, die am lautesten und als erstes nach Strafen schreien und gegenüber dem Täter eine Null-Toleranz-Politik fahren. Das Motto: Jeder darf eine Meinung haben oder eine zweite Chance bekommen, DU aber nicht!   

Zur Strafe der Verdammnis, der öffentlichen Ächtung und der ewigen Schuld kommen noch zwei weitere Aspekte hinzu: die Generalisierung und Sippenhaft. Wer bei der CSU ist, ist auch gegen Menschenrechte. Und jeder CSUler will Frauen zurück am Herd und ist gegen Bienen!

Wer bei den Grünen ist, fährt eh SUV, wohnt in gentrifizierten Altbauwohnungen und ist ein besserwissender, spaßbefreiter Gutmensch! 

Wer einen Diesel fährt, kauft auch Billigfleisch beim Discounter. Und jeder Autofahrer ist sowieso gegen Fahrräder, den ÖPNV, ein Tempolimit und die Pariser Klimaziele. Womöglich fliegt er auch noch in den Urlaub nach Malle!

So einfältig, so naiv, so einseitig blind und so respektlos verlaufen Diskussionen heute leider häufig.

 

Schweigen durch vorauseilenden Gehorsam

 

Völlig zu Recht wird daher immer häufiger und von verschiedenen Seiten (nein, nicht nur von der AfD) die Frage gestellt, ob es in Deutschland noch eine Meinungsfreiheit gibt. Darauf folgt meist die extrem naive Aussage, dass die Meinungsfreiheit natürlich gelte, sonst könnte man so eine Frage ja gar nicht stellen. Außerdem steht die Meinung ja auch im Grundgesetz, Artikel 5! 

Verschwiegen werden allerdings die oben genannten (sozialen) Konsequenzen, die kontroverse Meinungen mit sich bringen und vor allem die (psycho-)soziale Dynamik hinsichtlich der eigenen Kommunikation.

Jeder, der sich heute in der Öffentlichkeit zu Wort meldet, muss je nach sozialer Position seine Worte genau auf die Goldwaage der Moral legen, wenn er nichts riskieren will. Die Folge: Vieles wird gar nicht erst mehr gesagt aufgrund der Angst, dafür diffamiert zu werden. Dadurch verzerrt sich die öffentliche Meinung immer stärker und der Effekt der Schweigespirale tritt ein: Kritische Meinungen werden aufgrund vorauseilenden Gehorsams nicht mehr postuliert und es entsteht in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass nur eine Meinung existiert bzw. richtig ist. Foucault würde im Grabe rotieren bei dieser Mächtigkeit der Diskurshoheiten.

Für die Demokratie ist das der erste Schritt des Untergangs. Denn es kann in niemandes Interesse sein, kritische und wichtige Stimmen zu opfern, nur weil eine selbsternannte moralische Empörungselite ihre Ideologie durchsetzen will.

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Von der Wahrheit zur Verschwörungstheorie

 

Nun ist es eine Binsenweisheit und wenig quergedacht, dass es niemals die eine Wahrheit gibt. Im Kontext der o.g. Korrektheitshysterie steigt allerdings die Gefahr, dass Fakten, wissenschaftliche Vernunft und Logik immer häufiger ignoriert oder missbraucht werden. Schnell werden aus moralischen Überzeugungen soziale Wahrheiten, aus Emotionen scheinbar logische Gründe und aus Vorurteilen politische Handlungen.

Oder umgekehrt: aus Fakten werden Verschwörungstheorien, aus logischen Prozessen werden moralische Irrtümer. Eine Diskussion über die Fakten wird schnell mit der moralischen Keule zerschlagen und mit ethischem Populismus ersetzt, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf! Daher sind die Meinungen der Journalisten, Moderatoren, Experten oder Empörungs-Politiker häufig nur Hohlphrasen, Tautologien oder Allgemeinplätze, denen man gar nicht widersprechen kann. Wer ist schon gegen Weltfrieden, gegen Klimarettung oder den Schutz von Minderheiten?

 

Korrekt in die Zukunft?

 

"Ja genau, Recht hat er! Immer diese Gutmenschen und Moralapostel von den linken und grünen Medien!" ertönt es nun vermutlich aus dem Munde des einen Teils der Leserschaft.

"Spalter, Hetzer, Rassist, polemisches Geschwätz, der ist sicher bei der AfD! Fehlt nur noch, dass er Lügenpresse schreit", brüllt es von der anderen Seite. 

"Der hat es wohl nicht gemerkt, dass er genau das macht, was er den Moralaposteln eigentlich vorwirft. Undifferenziert, unsachlich und beleidigend, alle über einen Kamm scheren. Das ist so billig!", schallt es von der kritischen Mitte entgegen.

 

Und? Zu welchem Teil der Leser gehören Sie? Hoffen Sie, dass Sie zur dritten Kategorie gehören und nicht zu den anderen Lautsprechern und Vorverurteilern! 

Denn Querdenken ist gerade nicht das, was wir in diesem Blog gemacht haben: Pauschalisierungen, Anklage, Polemik, willkürliche Beispiele, platte Formulierungen. 

Um das Problem, den Umgang und die Folgen der political correctness in seiner Tiefe zu erfassen, ist es nämlich falsch, populistisch und wenig innovativ, sich einfach selbst zum moralischen Ankläger der scheinbar Korrekten zu machen, ihre Methoden zu übernehmen und nur zu jammern, wie böse diese sind.

Daher entschuldigen wir uns jetzt zum Ende nochmal aufrichtig und ehrlich, falls wir Sie erneut in Erregung versetzt haben. Nächste Woche machen wir es dann wirklich "richtig"! Ganz ohne Furor, nur mit echtem Querdenken!

 

 

 

Verfasser: Dr. Rainer Sontheimer

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Kommentare: 9
  • #1

    Daniel S. Kaufmann (Donnerstag, 09 Mai 2019 18:52)

    Einen amüsanten Sachverhalt hat der Autor im Blog vergessen: Auf den weißen, alten Mann darf man verbal einprügeln, ohne befürchten zu müssen, im Anschluss selbst Opfer einer empörten Moralpolizei zu werden. Auch von testosterongesteuerten Alphamännchen ist wiederkehrend die Rede, ohne dass jemand daran Anstoß nehmen würde. Man stelle sich nur mal vor, jemand würde öffentlich über den Hormonspiegel einer Politikerin spekulieren. ("Merkels’ Führungsstil vor und nach ihren Wechseljahren…“). Sexismus kann es eben nur in eine Richtung geben.
    Wer gegen den Mainstream argumentiert, befindet sich in der Minderheit - logischerweise. Diese genießt aber keinen besonderen Schutz, wie es sich sonst für den Umgang mit Minderheiten moralisch gebührt. Die vielbeschworene Meinungsfreiheit ist eben eine juristische Kategorie, keine moralische.
    Was das mit Toleranz zu tun hat? Dem Wortsinn nach ist Toleranz die Bereitschaft bzw. die Fähigkeit, Abweichendes zu erdulden. Es geht darum, etwas zu ertragen, nicht darum, jeden erdenklichen Schwachsinn mitzutragen. Letztlich geht es darum, dem Gegenüber Respekt zu zollen. Und wer sich damit schwertut oder es partout nicht kann, dem sei hin und wieder der größtmögliche Ausdruck an Respektlosigkeit empfohlen: die Ignoranz. Nicht jede Einlassung hat Resonanz verdient, nicht jeder Furz ein Echo.

  • #2

    Dr. Gerd Friese (Freitag, 10 Mai 2019 08:55)

    Gut geschrieben, aber eben nur das!
    Für was steht der Autor? Ist er mehr "Betrachter", ein "Beobachter" oder ein "Kommentator"?
    Mich bewegt mehr die Frage: Was ist die Ursache für diese Entwicklung? Oder ist sie etwa gewollt nach dem Motto: Wer unsicher ist, wer ängstlich ist lässt sich besser beeinflussen? Vorsicht, das könnte eine Verschwörungstheorie sein!
    Eine positive Entwicklung entsteht nur durch einen lösungsorientierten Diskurs. Dazu bedarf es einer Orientierung. Jeder Unternehmer weiß das nur allzu gut! Kann er die Mitarbeiter nicht begeistern, verdient er kein Geld und geht Pleite. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern bittere Realität!

  • #3

    Evi Steiner-Böhm (Freitag, 10 Mai 2019 09:20)

    Schöner Artikel, deckt sich mit meiner Einschätzung! Durch die leicht zugänglichen Kommentarfunktionen und den zu erwartenden Beifall der eigenen Gruppe eskalieren Diskussionen, die sich dann unglaublich schnell zu Dramen hochschaukeln. Im Grunde mangelt es einfach an Ruhe, einfach mal nachdenken, bevor man spricht oder handelt. Aber Feindbilder haben in unserer menschlichen Gesellschaft eine lange Tradition, sich darüber bewusst zu werden und dann anders zu denken, anders zu handeln, wird uns vermutlich noch viele Generationen beschäftigen. Das sollte aber niemanden davon abhalten, seine Meinung zu äußern. Denn nur dadurch kann sich was ändern :)

  • #4

    Volker Mann (Freitag, 10 Mai 2019 09:32)

    Niemand hat uns je beigebracht konsequent und immer weiter zu hinterfragen. Wir lernen von Kindheit an, uns irgendwelchen Meinungen oder Sichtweisen Einzelner oder von Gruppierungen anzuschließen, ohne je wirklich selber zu überprüfen, ob das natürlich oder wirklich ist, was uns da als Wahrheit vorgesetzt wird.
    Wenn wir bereit wären zu hinterfragen, würden wir zu dem Punkt gelangen, dass wir alle keine Ahnung haben.

  • #5

    Michael Wöstefeld (Freitag, 10 Mai 2019 09:44)

    Am schönsten der Kommentar: Für was steht der Autor? Und danach der Versuch der Schubladisierung. Querdenken ist eben nicht eine kleine erlaubte Auswahl von exakt vordefinierten Farben sondern jede Farbe und Farbschattierung zählt.

  • #6

    Tina Wiegand (Freitag, 10 Mai 2019 10:53)

    Nach 4 Jahren Aufenthalt in LA Ende der 80iger Jahre hatte ich persönliche Erfahrung, was "Political Correctness" bewirkt: Es war unter Mobbingstrafe verboten, Probleme jeglicher Art anzusprechen, um sie zu analysieren und zu lösen. Man muss aber wissen, woher das kommt: die meisten Amerikaner sind nicht besonders gut im Probleme lösen. Also wollen sie nicht hören, wie komplex ein Thema gerade ist. Bitte merken! Das ist ein wichtiger Mentalitätsunterschied zu Deutschland, wo (noch!) permanent getüftelt, nachgedacht und verbessert wird. Bei uns kommt erst die Qualität, in USA erst das Geld. Das macht den riesigen Qualitätsunterschied aus.

    Es ist typisch deutsch, sich ungezogen und "rude" zu widersetzen. Das mögen die Amerikaner überhaupt gar nicht. Also mögen sie uns überhaupt gar nicht. Aber das ist nunmal so, damit müssen wir leben, ohne zu heulen. Wenn wir nachgeben, gibt es ein Ende vom Lied: Probleme werden nicht gelöst, eskalieren und haben Konsequenzen. In USA wird etliches wird mit Waffengewalt "gelöst", weil niemandem eine bessere Lösung eingefallen ist. Wollen wir das? Ich nicht! Wer mitdenkt, der muss also logisch schlussfolgern, dass die Political Correctness ein Instrument der Unfähigen ist und nicht ernst genommen werden darf. Amerikanische Konzepte eignen sich nicht für Deutschland - oder nur nach Nachbesserung. Wer sich von der Unreife jagen lässt, rennt in die falsche Richtung.

    Bevor ich mich also mit einem Inhalt befasse, schaue ich mir immer erst an, ob ein Thema mit "amerikanischer Sektenmentalität" aufoktroiert wird. Dann suche ich das Gespräch mit Fachleuten und prüfe, ob man das, was da gesagt wird, wirklich so stehen lassen kann. In der Regel nein. Made in USA bedeutet grundsätzlich!: zu wenig durchdacht, muss gebremst, verbessert, vertieft, korrigiert und getestet werden. Die Folgen der Fehlkonstruktionen und Halbwahrheiten sind fatal für die Menschheit. Es ist anstrengend, aber man darf da nicht zurück gehen.

    Wir müssen also über die entschiedene Verteidigung der Freiheit des Denkens und der Logik den Gesinnungsterror wieder in einen sinnvollen Kontext führen. Es ist dabei völlig egal welches Instrument der psychological warfare dabei betroffen ist: Genderkrieg, Klimasekte, Impfsekte, Ernährungshysterie, Politische Nazihysterie, Islamgeschwätz und was weiß ich nicht alles, womit Orwells Neusprech eingeführt werden und die Deutschen am Denken gehindert werden sollen. Vergessen wir nicht, dass das deutsche Denken ein Wttbewerbsvorteil ist, den die Amerikaner uns nicht gönnen. Wir müssen also wieder lernen zu reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist, damit die nachfolgenden Generationen nicht in der Diktatur der Unreifen landen.

    Das ist ein Ziel für das ich mir selbstverständlich den Mund verbrenne, wenn es sein muss! Aber in der Regel wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Also, an die Logik und die scharfen Zungen, Ihr Mitbürger.:-)

  • #7

    Rudolf Schöneberger (Freitag, 10 Mai 2019 11:40)

    Sehr geehrter Herr Dr. Sontheimer

    Sie bringen mich jetzt in eine sehr schwierige Situation - vielleicht sogar in eine Identitätskrise! Sie lassen nur drei Kategorien zu - und ich finde mich in keiner Kategorie wieder. So ein Mist auch - was soll ich jetzt tun? Ratlos bleiben nach dem Moto "Was tun ? sprach Zeus. Die Götter sind besoffen und verkotzen den Olymp". Oder doch bei meinem eigenen idealistischen Ansatz bleiben - jeder soll seine Meinung haben und äussern und ich akzeptiere sie genau als solche. Und ich werde mir trotzdem erlauben und es sogar von mir selbst fordern meine eigene Meinung zu haben und diese auch zu äussern. Gerade weil ich nicht in eine Schublade will ( dort ist es eh meistens zu voll und eng ) und ich mich jeden morgen noch selbst im Spiegel anschauen können will ( ich weiß: Plattitüde ). Ihr Blog hat mich zu neuen Gedanken angeregt - und dafür herzlichen Dank an Sie.

  • #8

    Matthias Gärtner (Freitag, 10 Mai 2019 22:35)

    Vielen Dank für die zutreffende Analyse der politischen Kultur in Deutschland. Das wesentliche Charakteristikum des "Querdenkens" besteht letztlich darin, sich "frei zu machen" zu bisher gedachten oder induzierten Glaubenssätzen; von dem, was richtig oder falsch ist, wahr oder unwahr, gut oder böse. Es geht darum, dass das Querdenken neue Erkenntnisse zutage fördert. Vielleicht sind diese nicht realistisch und müssen verworfen werden. Vielleicht sind diese dann böse und unmoralisch. Vielleicht sind diese neuen Konstruktionen aber auch der Impuls für etwas, dass dann doch den "Fortschritt" bedeutet. Darum geht es aber nicht. Es geht um den Mut, die Sachen neu zu denken und ggf. auch Fehler zu machen. Es geht darum, die Schere im eigenen Kopf zu beseitigen, um "sich seines eigenen Verstandes zu bemächtigen". Das ist quer denken.

  • #9

    Marcus Schmauss (Sonntag, 12 Mai 2019 11:26)

    "Politisch korrekte" Formulierungen sind für mich im besten Sinne des Wortes empathische, wertschätzende, nicht pauschalisierende Aussagen, die einen weiteren DIALOG ermöglichen.

    Im schlechtesten Sinne des Wortes sind es für mich nichtssagende, Plattitüden, die einen sinnvollen Dialog unterbinden sollen und Produkte des gerade aktuellen Zeitgeists sind - geäußert von denkfaulen, dummen oder manipulativen Menschen oder Institutionen. Mein Eindruck ist, dass politische Korrektheit mittlerweile zu 90% ein Produkt des zweiteren ist

    Wie ich politischen Korrektheit im Alltag begegne:

    a) ich frage den Diskutanten was die Quelle für seine Aussagen ist oder wie er zu einer bestimmten Schlussfolgerung kam und
    b) ich frage ihn wie er seine Position konkret in seinem persönlichen Leben integriert

    Wenn ich dann eine vernünftige Antwort bekomme, ist der Dialog bereichernd und ich respektiere die Auffassung des Diskutanten. Wenn ich keine Antwort bekomme, oder der Gesprächspartner ungeduldig oder aggressiv wird, versuche ich noch 1-2x einen Dialog, gebe dann aber wegen Sinnlosigkeit auf.

    Tendenziell finde ich leider, dass das Zitat "Was kümmert mich die Wahrheit, wenn ich einen Meinung habe" die tägliche Realität sehr gut abbildet.