Schöne neue Arbeits-Welt Teil 3

Lösbar wird dieses Problem nur durch einen fortschreitenden Abbau dieser tradierten Hierarchien. Das bedeutet aber, dass dann auch kein Vorgesetzter mehr da sein wird, der seinen Untergebenen vorschreibt, was sie wie und bis wann zu tun haben. Möglich ist das aber nur dann, wenn das, was die meisten Menschen bisher als „Arbeit“ betrachtet haben, künftig anders als bisher verstanden wird. Es gibt Menschen, die deshalb „arbeiten“, weil sie gern tätig sind. Die freuen sich über alles, was sie dabei zustande gebracht haben, sei es, weil es sie selbst oder andere weiterbringt. Und es gibt auch solche, die deshalb „arbeiten“, weil sie mit dem, was sie dabei leisten, etwas erreichen oder erlangen wollen. Anerkennung beispielsweise, gern in Form einer entsprechenden Entlohnung. Oder Bedeutsamkeit, die durch das Erreichen höherer Positionen auf der Karriereleiter sichtbar werden soll.. Erstere betrachten ihr bloßes Tätig sein (in Form der Ideen, die sie entwickeln oder der Produkte, die sie herstellen) als erfüllend. Letztere verfolgen mit dem, was sie tun, einen Zweck und ein Ziel. Sie machen sich damit also selbst zum Objekt ihres ungestillten Bedürfnisses nach mehr Anerkennung oder größerer Bedeutung.

 

Zwangsläufig ist dann auch das, was Personen mit solch unterschiedlichen Motiven erzeugen, was sie also erarbeiten, und wie sie das tun, nicht identisch, auch wenn es auf den ersten Blick ähnlich aussieht. Wer nicht wirklich an dem interessiert ist, was er macht, sondern sich primär an der Wirkung seines Tuns auf andere (an deren Anerkennung, Lob oder Honorierung) orientiert, wird versuchen, seine „Arbeit“ genau so zu verrichten, dass das Ergebnis den Vorgaben und Maßstäben dieser anderen Personen gerecht wird.

Das ist völlig in Ordnung so, aber diese Art von Arbeit hat einen bedenkenswerten Nachteil: Sie ist so genau definiert, so gut beschreibbar und ausführbar, dass sie nicht nur von jeder anderen Person mit einer ähnlichen Qualifikation ausgeführt werden kann (wie das bisher der Fall war, etwa bei koreanischen Altenpflegerinnen), sondern auch von einem Automaten oder Roboter mit einer entsprechenden Programmierung (wie das im Zuge von Industrie 4.0. zunehmend der Fall sein wird).

 

Niemand kann gegenwärtig genau vorhersagen, wie viele Berufsbilder und Arbeitsplätze es in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr geben wird und wie groß die Zahl derjenigen sein wird, deren „Arbeit“ in zwanzig Jahren von Automaten und Robotern ausgeführt wird. Sicher ist nur, dass von diesen digitalen Maschinen diejenigen Arbeiten übernommen werden, bei denen es nicht darauf ankommt, wer sie ausführt, sondern nur darauf, dass sie möglichst effizient, zuverlässig und vorschriftsmäßig ausgeführt werden.

Krankenpfleger, Gärtner, sogar Ärzte, Lehrer oder Richter, die einfach nur ihren Job machen und ihre jeweiligen Aufgaben so erledigen, wie es von ihnen verlangt wird, sind schnell durch derartige Automaten ersetzbar. Nicht weil das billiger ist, sondern weil diese Maschinen solche Routinearbeiten effizienter und zuverlässiger ausführen. Sie brauchen weder Schlaf noch Urlaub, kennen keine Ermüdung, machen keine Fehler und sind in jeder Hinsicht produktiver als lebendige „Arbeiter“, die diese Tätigkeiten für Lohn oder andere Qualifikationen ausführen.

 

Durch digitale Maschinen, Roboter und Automaten ersetzbar sind - und aus ihren bisherigen Arbeitsverhältnissen freigesetzt werden - künftig  also in erster Linie all jene Personen, die nur deshalb arbeiten, weil sie müssen. Gezwungenermaßen, lustlos, nicht wirklich interessiert an dem, was sie machen, sondern vor allem an dem, was sie dafür bekommen. Das sind nicht wenige, und was diese digitalen Geräte zu leisten imstande sind, ist heute bereits beeindruckend genug. Selbstfahrende Autos und japanische Pflegeroboter sind nur der Anfang einer nicht mehr aufzuhaltenden Entwicklung.

 

Sicher entstehen mit dieser Digitalisierungswelle auch viele neue Tätigkeitsfelder und Berufe. Aber eben nur für all jene, die Lust haben, sich hier einzubringen. Dazu zählen sicher nicht diejenigen, die noch nie in ihrem Leben gern und mit einer inneren Freude am Tätigsein gearbeitet haben. Die werden in dieser schönen neuen Arbeitswelt nicht mehr gebraucht. Weil es so viele sind, können sie nicht ohne Einkommen aus ihrem bisherigen Beschäftigungsverhältnissen freigesetzt werden. Die Lösung für dieses Problem ist die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, dass jemand, der noch nie in seinem Leben gern gearbeitet hat, seine Freude am Tätigsein entdeckt, wenn sie oder er nun gar nicht mehr arbeiten muss.

 

Wesentlich näher liegend ist es, dass dieses nicht mehr durch lustlos ausgeführte Arbeit verdiente Einkommen von diesen Personen zur Verwirklichung all der vielen Träume genutzt wird, die sich im Rahmen ihrer bisher ausgeführten Lohnarbeit nicht realisieren ließen. Die dafür erforderlichen Geräte und deren Hersteller warten bereits auf ihre Nutzer. Zeit haben die ja dann genug und wahrscheinlich auch ausreichend Geld, um sich diese VR-Brillen zu gönnen. Und die Programme werden auch immer besser. Da bleibt in Zukunft kein Wunsch mehr offen. Mit Delphinen im Meer spielen, den Mount Everest erklimmen, günstig einkaufen – alles ist möglich, ohne auch nur vom Sofa aufstehen zu müssen. Über 90 % der Entwicklungskosten für diese immer realer werdenden VR-Programme werden gegenwärtig von der Pornoindustrie finanziert.

 

Die schöne neue Welt der virtual Reality

Wer keine Lust auf’s Arbeiten hat und nur arbeitet, um Geld zu verdienen, verrichtet fast immer nur solche Tätigkeiten, die besonders leicht und schnell auch durch Rechner, Automaten und Roboter ersetzt und von denen auch viel effektiver durchgeführt werden können. Diese Leute werden deshalb in den nächsten 20 Jahren aus den Arbeitsprozessen ausgegliedert und ausgeschieden, sie bekommen ein Grundeinkommen und werden sich dann mit größter Wahrscheinlichkeit mit VR-Brillen auf der Birne ihre jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse erfüllen.

Da diejenigen, die nur für Geld arbeiten ja auch immer diejenigen sind, die sich für ihr so schwer verdientes Geld dann auch etwas gönnen und leisten müssen, sind diese Leute genau diejenigen, die unseren Planeten seit einigen Jahrzehnten in bedrohlicher Weise ausplündern, vermüllen und zu ruinieren drohen: mit ihren SUV’s, ihren Ferienreisen mit Billigfliegern, ihrem Schnäppchenjägertum, ihren Konsumbedürfnissen und Plastikmüllhalden, oder ganz allgemein: mit der unglaublichen Gedanken- Würde- und Sinnlosigkeit die ihr Denken und Handeln bestimmt.

Endlich von ihrer Lohnarbeit befreit, sitzen die dann zu Hause herum und richten keinen Schaden mehr an. Die vermehren sich auch nicht mehr, weil der Sex mit den Pornoprogrammen ihrer Brillen für sie viel weniger Arbeit macht und auch jederzeit und nach Belieben besser funktioniert als mit einem lebendigen Partner.

Worauf wir also zusteuern, ist eine sich selbst organisierende Elimination derjenigen Menschen, die ihre Lust am Arbeiten verloren haben (weil ihnen auch schon in der Schule ihre Lernlust ausgetrieben worden ist). Übrig bleiben nach diesem gigantischen, heute schon in manchen Bereichen längst in Gang gekommenem Selbstreinigungs- oder evolutionärem Selektionsprozess diejenigen, die in der Lage und bereit sind, den Schaden, den die lustlosen Arbeiter angerichtet haben, allmählich und vor allem freiwillig, aus eigenem inneren Antrieb, und dann auch ohne Bezahlung wieder zu beheben.

 

Damit schließt sich der Kreis und wir kommen wieder am Beginn dieses kleinen Ausfluges in die schöne neue Welt des Arbeitslebens an: So kann es werden, und so oder so ähnlich wird es wohl auch kommen – jedenfalls dann, wenn wir einfach so weitermachen wie bisher. Hirntechnisch wäre es allerdings kein Problem, uns selbst und unsere bisherige Einstellung zu dem, was wir „Arbeit“ nennen, grundlegend zu verändern. Jeder Mensch kommt ja mit einer unbändigen Lust am eigenen Entdecken und am gemeinsamen Gestalten zur Welt. Dass so vielen diese anfängliche Freude am Lernen und am Tätigsein verloren geht, ist kein Naturgesetz. Indem wir schon unsere Kinder zu Objekten unserer Erwartungen und Ziele, unserer Belehrungen und Bewertungen, unserer Maßnahmen und Anordnungen machen, zwingen wir sie, diese angeborene Freude am Lernen und Gestalten zu unterdrücken.

Und wie soll jemand später mit Freude tätig sein, der seine Lust am Lernen schon im Kindergarten, spätestens aber in der Schule verloren hat?

 

Das könnten wir ändern, wenn wir wollten: Vielleicht trägt das hier entworfene Szenario dazu bei, den dazu erforderlichen Willen endlich aufzubringen.

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